Zinskommentar Archiv

Baugeldzinsen warten auf neue Impulse

Nachdem einzelne Konjunkturindikatoren und Stimmungsbarometer in den USA und Europa Anzeichen für eine Stabilisierung der Wirtschaft auf dem neuen tieferen Niveau zeigen, ist es an den Börsen zuletzt zu kräftigen Kursreaktionen nach oben gekommen. Es scheint so, als ob zumindest die Teilnehmer am Kapitalmarkt wieder mehr Risikoappetit bekommen haben und von Staatsanleihen in Richtung Aktien und Unternehmensanleihen umschichten. Gleichzeitig sind aber der Internationale Währungsfonds (IWF) und viele Wirtschaftsforschungsinstitute immer noch dabei die Wachstumsaussichten, gerade in Europa nach unten zu revidieren. Ein Verfall der Produzentenpreise und eine Konsumentenpreisinflation von nahe Null zeigen gleichzeitig aber auch die Gefahr von deflatorischen Entwicklungen auf. Staaten und Unternehmen legen derzeit zudem in historisch hohem Umfang Anleihen auf, um ihre Neuverschuldung abzudecken bzw. ihre Refinanzierung abzusichern. Im Endergebnis bedeutet dieser Cocktail einen seit mehreren Monaten unentschiedenen Zinsmarkt, der unter Schwankungen seitwärts pendelt und nach einem klaren Trend sucht. Trotz vier Leitzinssenkungen von 3,25% auf nunmehr 1,25% stehen die Zinsen für zehnjährige Pfandbriefe, die als Referenz für Baugeldzinsen gelten, mit 4,10 % auf demselben Niveau wie im November 2008. Während also die Zinsschritte der Europäischen Zentralbank (EZB) die kurzfristigen Geldmarktsätze und damit auch die Sparzinsen signifikant nach unten gedrückt haben, hat sich bei den längerfristigen Kreditzinsen nicht viel getan. Es bleibt daher spannend, ob die EZB ähnlich wie die US-Notenbank oder die Bank of Japan Maßnahmen ergreifen wird, um auch das Zinsniveau am längeren Ende des Kapitalmarktes zu beeinflussen. Derzeit sieht es aber eher so aus, als ob Investoren gerade bei längeren Laufzeiten von den Staaten eine deutliche Risikoprämie verlangen. So hat zum Beispiel in England die Veröffentlichung des neuen desaströsen Staatsbudgets die Zinsen für Staatsanleihen um rund 0,50 Prozentpunkte nach oben schnellen lassen, obwohl die Bank of England gleichzeitig Staatsanleihen im großen Stil aufkauft. Ein Vertrauensbeweis ist dies nicht. 

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