Zinskommentar Archiv
EZB flutet Banken mit Liquidität
Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) vor einigen Wochen angekündigt hatte, dass sie den europäischen Banken zum ersten Mal Liquidität zu dem Leitzinsniveau von 1% für einen Zeitraum von 12 Monaten anbieten würde, hat sie diese Woche die Rekordsumme von 440 Mrd. Euro ins Bankensystem gepumpt. Damit haben die Banken jetzt für ein ganzes Jahr Mittel zu einem historisch tiefen Zins zur Verfügung und sind von der EZB und der Politik angehalten, diese Liquidität auch in Form von Krediten anzubieten. Mit diesem Schritt hat die EZB aber ein Signal gesetzt, dass sie die Leitzinsen für die nächsten Quartale bei 1,0% oder darunter halten möchte. Zudem versucht sie damit natürlich, die Zinsen mit langen Laufzeiten zu beeinflussen und nach unten zu bewegen. Diese waren zuletzt sehr deutlich angestiegen. Inwieweit dies gelingen kann, hängt aber viel mehr von den Konjunktur- und Inflationserwartungen der Investoren am Anleihemarkt ab. Derzeit überwiegen die Erwartungen einer Stabilisierung der Konjunktur auf dem neuen tieferen Niveau und die Angst vor mittelfristig höheren Inflationszahlen, die mit der drastischen Ausweitung der Staatsverschuldung weltweit begründet wird. Dazu kommt ein enormes Angebot an neuen Staatsanleihen, die wöchentlich auf den Markt gebracht werden und für welche die Käufer eine höhere Risikoprämie verlangen. Solange die Investorenstimmung positiv bleibt, sehen wir den Zinsrückgang der letzten Woche nicht als einen Trendwechsel, sondern als eine Zwischenkorrektur in einer noch immer bestehenden Aufwärtstendenz. Wir rechnen daher für die nächste Woche mit etwas tieferen Konditionen bei einzelnen Banken, erwarten allerdings danach wieder einen Anstieg bei den längeren Laufzeiten.
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