Zinskommentar Archiv
EZB uneinig über weitere Strategie
Während die Notenbanken in den USA, England und Japan inzwischen praktisch eine Nullzins-Politik fahren und diese auch noch mit großen Aufkäufen von Staats- und Hypothekenanleihen unterstützen, gibt es innerhalb der Europäischen Zentralbank (EZB) intensive Diskussionen über die Wirkung dieser Maßnahmen. Zwar hat die EZB ihren Leitzins inzwischen auf den historischen Tiefstand von 1,25% gesenkt und die Marktteilnehmer erwarten schon für Mai einen weiteren Zinsschritt auf 1,00%. Ein Absenken unter 1,00% und der Einsatz unorthodoxer Maßnahmen wie in den anderen Ländern wird aber besonders von Bundesbank-Chef Axel Weber als falscher Schritt gesehen. Damit steht die EZB als letzter Fels in der Brandung, während die Notenbanken aller anderen Länder in einer praktischen Allianz mit den Regierungen die Gelddruckmaschinen angeworfen haben - ohne genau zu wissen, wohin diese Strategie sie führen wird. Gerade diese Sorge um die mittelfristigen Konsequenzen für die Geldwertstabilität führt aber dazu, dass die längeren Laufzeiten am Kapital- und Kreditmarkt immer noch mit hohen Risikoaufschlägen und damit relativ gesehen hohen Zinssätzen versehen sind. Derweil tendieren die aktuellen Inflationsraten für Konsumenten inzwischen gegen Null und die Produzentenpreise sind zuletzt sogar kräftig gesunken. Ob in den nächsten Jahren damit Deflation herrschen wird oder die Gelddruckaktionen der Notenbanken zu hohen Inflationsraten führen werden, ist aufgrund der historisch einmaligen Situation praktisch nur zu erraten, aber nicht wirklich prognostizierbar. Wir erwarten allerdings, dass die EZB den Einflüssen der Politik und dem internationalen Druck so lange wie möglich widerstehen und die Druckmaschine nicht anrühren wird. Schwankungen der Kapitalmarktzinsen nach oben werden daher in den nächsten Monaten durch Zinsbewegungen in den USA ausgelöst werden und nicht durch fundamentale Veränderungen im Euroraum.
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