Zinskommentar Archiv

Erste Gewinnmitnahmen an den Anleihemärkten

Nach dem rasanten Zinsrückgang der letzten Wochen ist es in den vergangenen Tagen zu ersten Gewinnmitnahmen der Investoren am Anleihemarkt gekommen. Immer wieder hat der Bund-Future versucht, sich über der Marke von 129 Punkten festzusetzen, aber immer wieder haben ihn Verkäufe unter diese Marke gedrückt. Kein Wunder, befinden wir uns doch in noch nie gesehenen Höhen, die uns nicht nur bei den Zinsen auf deutsche Staatsanleihen, sondern auch beim Baugeld inzwischen neue historische Tiefstände beschert haben. Da ist eine Orientierungsphase angebracht. Im Kern sehen wir derzeit die Auseinandersetzung zweier Lager am Kapitalmarkt: Die Konjunkturpessimisten, die in den vergangenen Wochen ganz klar den Ton angegeben haben, setzen auf einen Rückfall in eine Rezession und sehen damit Deflation als mögliche Konsequenz an. Für sie sind lang laufende Anleihen mit bester Bonität auch bei den erreichten tiefen Zinsniveaus ein sehr attraktives Investment. Dagegen stehen die Konjunkturoptimisten, die an eine schrittweise Erholung der Weltwirtschaft glauben und für die Leitzinserhöhungen der Notenbanken vor der Tür stehen. Sie nehmen an, dass die Märkte momentan die Gefahr höherer Inflationsraten kräftig unterschätzen und erwarten sogar einen regelrechten Crash an den Anleihemärkten und damit stark steigenden Zinsen in den nächsten Jahren. Dazu kommt noch, dass beide Seiten sich natürlich Sorgen um die ausufernde Staatsverschuldung und die daraus entstehenden längerfristigen Konsequenzen für die Wertstabilität vieler Währungen machen. Selbst die Rezessionsanhänger sehen, dass sich bei Wirtschaftsschwäche das Schuldendesaster noch verschärfen und die Bonitäten der schwächeren Länder belasten wird. Höhere Risikoaufschläge für lange Laufzeiten müssten daher die logische Folge sein. Den klarsten Indikator, dass die Lage immer schwerer einzuschätzen ist, gibt der Goldpreis. Gold wird mehr und mehr zu einer Ersatzwährung und klettert munter zu neuen Höchstständen. Gold kann nicht einfach von Notenbanken gedruckt werden und es gibt auch keinen Emittenten, dessen Bonität herabgestuft werden kann. Damit ist es vor allem ein Indikator für die enorme Vertrauenskrise, die augenblicklich die Märkte bestimmt.

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