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Zinskommentar Archiv

Inflation wird zum Thema

Zum ersten Mal seit langer Zeit hat der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, am Donnerstag die Inflationszahlen für den Euroraum kritisch kommentiert und auf die Gefahr steigender Inflation hingewiesen. Damit wollte er offensichtlich dem Markt zeigen, dass die EZB ihren Stabilitätsauftrag weiterhin sehr ernst nimmt und bei Bedarf auch über Leitzinserhöhungen nachdenken wird. Die Inflationsrate liegt derzeit, bedingt durch steigende Rohstoff- und Energiepreise, bei 2,2% und damit leicht über der Zielgröße der EZB. Das klingt noch nicht bedrohlich, ist aber vor dem Hintergrund einer in vielen Ländern Europas weiterhin sehr schwachen Wirtschaftsentwicklung doch überraschend hoch. Da auch in anderen Teilen der Welt - vornehmlich in den Boomländern China, Indien, Brasilien und weiten Teilen Asiens - ebenfalls ein starker Aufwärtsdruck bei den Preisen herrscht, sind zuletzt die langfristigen Kapitalmarktzinsen gestiegen, weil Investoren eine höhere Risikoprämie für diese Anleihen fordern. Offensichtlich hat Herr Trichet auch diese Entwicklung im Blick, wenn er gegenüber den Investoren jetzt erhöhte Aufmerksamkeit der Notenbank auf Preisstabilität signalisiert. Nichts wäre für die Bemühungen zur Krisenbekämpfung der Regierungen und Notenbanken schädlicher als stark steigende Kapitalmarktzinsen. Verlieren die Notenbanken die Kontrolle über diese, werden die Staatsschulden immer weniger beherrschbar und die Investitionsfinanzierungen für die Unternehmen teurer. Dieser Effekt ist in den hochverschuldeten und wachstumsschwachen Ländern Europas bereits zu beobachten. Die drastisch gestiegenen Finanzierungskosten hängen den Griechen, Iren und Portugiesen wie ein Mühlstein um den Hals. Und auch die Spanier spüren das Gewicht schon. Auch wenn die EU versucht, durch einen subventionierten Zinssatz für die Länder unter dem Rettungsschirm die Kapitalkosten vorübergehend zu senken, so zeichnet sich parallel schon ein weiteres Ergebnis ab: Die Kapitalkosten für die Retter steigen. Dieser Effekt ist an den steigenden Renditen der Bundesanleihen genauso zu sehen, wie an den gestiegenen Prämien für eine Ausfallversicherung Deutschlands. Je stärker Deutschland als Garantiegeber für schwache Länder auftritt, desto stärker wird dieser Effekt sichtbar werden. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Retter am Ende nicht übernehmen und damit selbst bei der nächsten Konjunkturdelle in die Defensive oder sogar in die Handlungsunfähigkeit geraten. Derzeit spricht aber vieles für eine starke Entwicklung der deutschen Wirtschaft in 2011 und 2012. Mehr Beschäftigung, mehr Konsum und höhere Einkommenserwartungen haben auch begonnen, die Aktivitäten am Immobilienmarkt positiv zu beeinflussen. Steigende Neubauaktivität und steigende Nachfrage bei Bestandsobjekten sind die Folge. Sachwerte sind stark gefragt und das mit gutem Grund. In einzelnen Städten sind 2010 die Preise bereits deutlich gestiegen und auch die Mieten bei Neuvermietung haben angezogen. Das ist eine Abkehr von der schwachen Entwicklung der vergangenen zehn Jahre und sollte Immobilieninteressenten aufrütteln. Noch sind die Zinsen für Baugeld im historischen Vergleich extrem günstig und das gilt es zu nutzen.

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