Zinskommentar Archiv
Keine neuen Impulse am Zinsmarkt
Angesichts des Fehlens neuer bewegender Konjunkturdaten haben sich die Investoren diese Woche eher an den Aussagen der Notenbanker orientiert. Dabei wird klar, dass die Zentralbanken mit gekonnter Rhetorik beginnen, die Investoren auf einen graduellen Abbau der geldpolitischen Hilfsmaßnahmen vorzubereiten. Gleichzeitig betonen sie aber, dass derzeit keine Inflationsgefahren bestehen und die Leitzinsen noch länger extrem tief bleiben werden. Die Herausforderung für Ben Bernanke und Jean-Claude Trichet ist klar: Sie müssen die langfristigen Kapitalmarktzinsen so tief wie möglich halten und das Vertrauen der Investoren so stärken, dass diese die Refinanzierungskonditionen für Unternehmen, Banken und auch Staaten mit möglichst geringen Risikoaufschlägen versehen. Viele Banken fahren momentan ihr Kreditgeschäft zurück, um sich von der Krise zu erholen. Daher fällt die volle Belastung auf die Anleihemärkte, wo sich sowohl die Staaten als auch alle anderen mit Rekordvolumina refinanzieren wollen. So lange die Geldmarktzinsen praktisch bei Null liegen, machen selbst die Anleger mit, kaufen längere Laufzeiten und akzeptieren auch Kreditrisiken, um zumindest etwas Verzinsung zu bekommen. Eines steht aber fest: Die meisten Anleger würden bei Geldmarktzinsen von drei Prozent bereits ein ganz anderes Investmentverhalten zeigen. Vor diesem Hintergrund werden die Investoren auch die nächsten Monate an den Lippen der Notenbanker hängen, da keiner das Signal zum Verlassen des Schiffes versäumen möchte. Das heißt für die nächsten Monate: Auch wenn der Anlage-Notstand zum Kauf von langen Laufzeiten verleitet, ist das Potential für weiter fallende Zinsen sehr beschränkt.
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