Zinskommentar Archiv
Zinsmärkte bleiben nervös
Die nervöse, schwankungsanfällige Stimmung an den Zinsmärkten blieb uns auch diese Woche erhalten. Sehr gemischte Konjunkturindikatoren in den USA und Europa machen es den Investoren schwer, sich eine klare Meinung zu bilden. Enttäuschende Zahlen vom US-Immobilienmarkt haben den Wachstumspessimisten neue Nahrung gegeben. Weiter ansteigende Stimmungsindikatoren in Deutschland unterstützen dagegen das Lager der Optimisten. Die Notenbanken spielen vorerst auf Zeit und haben auch diese Woche wieder betont, dass sie die Leitzinsen noch tief und die Liquiditätsversorgung noch hoch halten müssen, um die Verbesserungen nicht im Keim zu ersticken. Gleichzeitig sind sie sich aber auch der Gefahr bewusst, dass die aktuelle Liquiditätsschwemme zu Nullzinsen schon wieder Anreize für die Spekulanten an den Kapitalmärkten schafft. Damit wird auch die Diskussion über Deflations- versus Inflationsgefahr immer intensiver geführt. Ein Trend ist derzeit klar auszumachen. Die USA und England unternehmen nichts, um ihre immer schwächer werdenden Währungen zu stützen. Offensichtlich sieht man einen schwächeren Dollar und ein schwaches Pfund als einfache Möglichkeit, die eigenen Wachstumsprobleme zu lösen. Den Preis zahlen damit immer stärker die Europäer, deren Exporte in Gefahr geraten. Wachstum in Europa wird so immer schwerer erreichbar. Diese Überlegungen halten daher vorerst auch die Euro-Zinsen für lange Laufzeiten stabil. Der große Unsicherheitsfaktor für die langen Zinsen bleibt die potentielle Furcht der Investoren vor unkontrollierbar hohen Staatsschulden und damit Vertrauensverluste in den mittelfristigen Wert einzelner Währungen. Diese Nervosität wird immer wieder zu Aufwärtskorrekturen am Rentenmarkt wie im Verlauf der vergangenen Woche führen.
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