Zinskommentar Archiv
EZB senkt Leitzins auf 1,50%
Wie erwartet hat die Europäische Zentralbank (EZB) gestern die Leitzinsen gesenkt. Mit der Senkung um 0,50 Prozentpunkte auf nunmehr 1,50% haben die Notenbanker auf die sehr schwachen Konjunkturindikatoren der vergangenen Wochen reagiert und versuchen gemeinsam mit den anderen großen Zentralbanken nach ihren Möglichkeiten die Realwirtschaft über günstigere Kreditkonditionen zu stützen. Diese Vorgehensweise, die ja bereits die US-Notenbank auf einen Leitzins von praktisch Null und die Bank of England auf 0,50% geführt hat, hat nur zwei Haken: Die tieferen Leitzinsen werden von den Banken nur sehr zögerlich an die Kunden, also Unternehmen und Privatpersonen weitergegeben, da die Banken derzeit jeden Spielraum auf der Ertragsseite nutzen müssen, um den Verlusten aus Abschreibungen etwas entgegenzusetzen und höhere Risikopuffer für die Zukunft aufzubauen. Dazu kommt noch, dass nur wenige Kredite direkt an die Geldmarktzinsen und damit an den Leitzinssatz gekoppelt sind. Die meisten Kredite sind langfristig und somit hängen deren Konditionen von den langfristigen Kapitalmarktzinsen ab. Die Zinssätze bei den längeren Zinsbindungen reagieren aber nur bedingt auf die Leitzinsentwicklung, sondern bilden sich über Angebot und Nachfrage am Anleihemarkt. Da das Angebot dort derzeit über die zunehmende Staatsverschuldung und die starke Kreditaufnahme von Unternehmen aber sehr schnell ansteigt und auch weiter ansteigen wird, verlangen die Investoren einen zunehmenden Risikoaufschlag, um sich langfristig zu binden. Daher sind die Renditen von 10-jährigen Pfandbriefen, die auch als Referenz für Baugeldkonditionen gleicher Laufzeit dienen, trotz Leitzinssenkung nur um rund 15 Renditestellen gesunken. Für die nächste Woche erwarten wir eine Seitwärtsbewegung der Konditionen auf dem nun etwas tieferen Niveau.
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