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Energiewende: Noch Potenziale bei der Energieeffizienz

Trotz Energiewende, steigender Bedeutung der erneuerbaren Energien und besserer Energieeffizienz wurde in Deutschland im ersten Halbjahr 2016 mehr Energie verbraucht als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert jetzt Maßnahmen zur Optimierung von Heizungen.

Energiewende: Solarenergie hat an Bedeutung verloren, im Gegensatz zu Windenergie und Biomasse.

Energiewende: Solarenergie hat an Bedeutung verloren, im Gegensatz zu Windenergie und Biomasse.

(München, 12.09.2016) Zu den Zielen der Energiewende gehört auch die Reduktion des Energieverbrauchs. Aber hat die Energiewende für einen bewussteren und sparsamen Umgang mit Energie gesorgt? Der Energieverbrauch in Deutschland hat sich nach Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen aktuell zumindest nicht verringert, sondern in den ersten sechs Monaten 2016 um 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum erhöht. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr demnach 6.821 Petajoule oder umgerechnet 232,6 Millionen Tonnen Steinkohleneinheiten verbraucht. Zum Verbrauchsanstieg hätten die kühlere Witterung zum Jahresbeginn, der diesjährige Schalttag, das anhaltende Wirtschaftswachstum sowie der Bevölkerungszuwachs beigetragen.

Dabei zeigt sich bei den einzelnen Energieträgern ein unterschiedliches Bild. Während sich der Mineralölverbrauch im ersten Halbjahr um rund vier Prozent erhöhte und der Gasverbrauch sogar um sieben Prozent, gingen Steinkohle um zwei und Braunkohle um 1,6 Prozent zurück. Einen regelrechten Einbruch erlebte die Kernenergie mit einem Minus von 15 Prozent.

Auch innerhalb der Gruppe der erneuerbaren Energien, die im Zuge der Energiewende in Deutschland an Bedeutung gewannen und insgesamt um 2,8 Prozent zunahmen, gab es unterschiedliche Tendenzen. Windenergie und Biomasse wiesen ein Plus von acht und zwei Prozent auf. Die Solarenergie verzeichnete dagegen ein Minus von vier Prozent.

Die Bundesregierung will Energiewende und Energieeffizienz weiter vorantreiben. Wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilt, entfallen vom Gesamtenergieverbrauch in Deutschland rund 35 Prozent auf den Gebäudebereich. Das Ministerium sieht erheblichen Nachholbedarf bei der Effizienzsteigerung, vor allem in der Wärmeversorgung. Ein neues Programm des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) soll Abhilfe schaffen und fördert seit Kurzem den Einbau hocheffizienter Heizungspumpen und die Durchführung eines hydraulischen Abgleichs, der für eine gleichmäßige Verteilung der Wärme sorgt. 30 Prozent der anfallenden Kosten werden übernommen.

Auch wenn die traditionellen Energieträger Öl und Gas immer noch einen erheblichen Marktanteil bei der Wärmeerzeugung vorweisen, wird die Energiewende fortgeführt. Seit fünf Jahren ermittelt das Kompetenzzentrum Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge der Universität Leipzig in Zusammenarbeit mit dem Energieversorger EnviaM mit der Studie "Energiewelt Ost" die Einstellung von Bürgern, Kommunen und Firmen in Ostdeutschland zur Energiewende. Tendenz 2016: Immer noch hohe, aber abnehmende Zustimmung. 69 Prozent der Privathaushalte sagen laut Befragung ja zur Energiewende, das sind neun Prozentpunkte weniger als im Jahr zuvor. Bei den ostdeutschen Kommunen überwiegen die Befürworter der Energiewende mit 70 Prozent (2015: 77 Prozent), bei den Unternehmen sind 64 Prozent für die Energiewende (2015: 67 Prozent). Die immer noch hohe Zustimmungsrate erklären sich die Wissenschaftler unter anderem damit, dass viele Erzeuger erneuerbarer Energien in den neuen Bundesländern beheimatet sind.

Übrigens: Hausbesitzer, die weiterhin auf die traditionelle Ölheizung setzen, sollten regelmäßig den Zustand ihrer Heizöltanks überprüfen lassen. Das rät der Bundesverband Lagerbehälter. Zumal rund drei Millionen Öltankanlagen älter als 25 Jahre seien und etwa eine halbe Million Tanks 40 Jahre und mehr auf dem Buckel hätten. Ohne regelmäßige Überprüfung des Öltanks hafte der Hausbesitzer für alle verursachten Umweltschäden.


Redaktion: Joachim Hoffmann