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Hochwasser und Hitze: Mit Klimawandel planen lernen

Beim Immobilienerwerb müssen Bauherren und Käufer verstärkt auf mögliche Extremwettergefahren wie Hochwasser achten. Eine bessere Datenbasis und aktuelle Ratgeber erleichtern die Planung in Zeiten des Klimawandels.

Gewitter: Beim Immobilienerwerb sollen Wettergefahren wie Hochwasser berücksichtigt werden.

Gewitter: Beim Immobilienerwerb sollten Wettergefahren wie Hochwasser berücksichtigt werden.

(München, 02.08.2016) Schwere Verwüstungen im schwäbischen Braunsbach, Land unter in den mittelfränkischen Orten Obernzenn und Egenhausen: Auch dieses Jahr haben ungewöhnlich starke Regenfälle zu Hochwasser und zu schweren Schäden geführt. Zunehmende Unwetter machen eine bessere Planung von Immobilienstandorten nötig. Kommunen und Landkreise arbeiten mit Hochdruck an neuen Flächennutzungskonzepten. Unterstützung erhalten sie jetzt durch eine neue Broschüre des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) mit dem Titel "Anpassung an den Klimawandel in Stadt und Region". Sie soll Kommunen in die Lage versetzen, frühzeitig die eigene Infrastruktur an die Folgen des Klimawandels wie Hitze und Hochwasser anzupassen. Beispielhafte Lösungen und Arbeitshilfen zeigen Wege auf, wie sich durch Unwetter und Hitze auftretende Schäden an Gebäuden, Straßen oder Leitungsnetzen vorsorgend minimieren lassen. Auch private Bauherren lernen durch die Lektüre für ihre Planung, welche klimatischen und geografischen Standortfaktoren wichtig sind.

Die BBSR-Broschüre nennt Anpassungsstrategien gegen Hitze, Starkregen und Sturzfluten. "In Folge des Klimawandels wird es künftig immer mehr darauf ankommen, das Wasser in der Fläche zurückzuhalten, um die Kanalnetze zu entlasten", sagt BBSR-Experte Fabian Dosch. "Wasserspeichernde, unversiegelte Böden saugen Starkregen wie ein Schwamm auf, speichern ihn zwischen und leiten ihn nur langsam ab." Eine wassersensible Stadtentwicklung müsse vor allem auf Grünanlagen und Rückhaltebecken setzen. Die Autoren des Ratgebers betonen, wie wichtig es ist, dass Kommunen und Haus- und Grundstückseigentümer kooperieren. "Städte, die gegenüber Witterungs- und Klimarisiken widerstandsfähig sind, erhalten wir nur, wenn öffentliche und private Vorsorge Hand in Hand gehen. Der bauliche Schutz von Gebäuden vor Hitze und extremen Niederschlägen sollte dabei Maßnahmen der Kommunen ergänzen", betont Dosch.

Bis die bessere Planung greift, werden einige Jahre vergehen. Doch auch beim Ist-Zustand hilft die bessere Erfassung und Auswertung von wichtigen Wetter- und Klimadaten. Die jetzt aktualisierte Datenbank für Hochwassergefahren, ZÜRS Geo, ordnet laut Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nur noch 139.000 Häuser in die höchste Gefahrenklasse 4 ein. Im Jahr zuvor waren es noch 197.000. Das bedeutet einen Rückgang um rund 30 Prozent. Mit der aktuellen ZÜRS-Version seien erstmals flächendeckend alle Hochwassergefahrenkarten der Bundesländer integriert, die im Zuge der entsprechenden EU-Richtlinie erstellt wurden, erklärt der GDV. Vorteil für 58.000 Immobilienbesitzer: Sie können ihr Gebäude jetzt wesentlich einfacher gegen Elementarschäden versichern. Gefahrenklasse 4 bedeutet, dass statistisch mindestens ein Hochwasser in zehn Jahren zu erwarten ist. Die Gefahrenklasse 3, in die jetzt 58.000 Eigentümer versetzt worden sind, umfasst Standorte, an denen statistisch in zehn bis hundert Jahren mit mindestens einem Hochwasser zu rechnen ist.


Redaktion: Joachim Hoffmann