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Weniger Transparenz für Bauherren bei Bauprodukten?

Weniger Transparenz für Bauherren und weniger Verbraucherschutz hat nach Ansicht des Baugewerbes der Wegfall des bisherigen Ü-Zeichens und die alleinige Gültigkeit des CE-Zeichens auf Bauprodukten zur Folge.

Bauherren sollten über Änderungen bei der Kennzeichnung von Bauprodukten informiert sein.

Bauherren sollten über Änderungen bei der Kennzeichnung von Bauprodukten informiert sein.

(München, 09.11.2016) Bauherren sollten eine Neuerung bei der Kennzeichnung von Bauprodukten kennen: Seit dem 15. Oktober 2016 ist es nicht mehr zulässig, dass Bauprodukte zusätzlich zum europäischen CE-Zeichen mit dem Ü-Zeichen ausgestattet sind. Das Ü steht für Übereinstimmung mit der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt). Der Europäische Gerichtshof hatte die parallele Auszeichnung als rechtswidrig eingestuft.

Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) spricht in diesem Zusammenhang von einem "schwarzen Tag": "Das Nachsehen haben Bauherren, Bauunternehmer und Planer, die mit einer völlig unzureichenden CE-Kennzeichnung zurechtkommen müssen", kritisiert ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. Was viele Bauherren nicht wissen: Viele Produkte waren bisher mit dem Ü-Zeichen gekennzeichnet. Unter anderem würden laut ZDB die bisherigen Anforderungen für Zemente mit besonderen Eigenschaften, Fertigteile aus Beton, Stahlbeton oder Spannbeton nach harmonisierten Produktnormen für tragende Zwecke, Keramikklinker oder auch statisch beanspruchte Hohl- oder Mauerziegel mit besonderen Eigenschaften gestrichen, sodass diese Produkte nur noch das CE-Kennzeichen trügen. Derartige Bauprodukte beeinflussen laut ZDB die Statik von Gebäuden, den Brandschutz und den Umwelt- und Gesundheitsschutz, so dass das derzeitige Niveau der Sicherheit und Umweltverträglichkeit von Bauwerken in Deutschland nicht mehr zu halten sein dürfte. Der ZDB erklärt: "Ohne entsprechende Regelungen zu Bauproduktstandards müssen die Produkteigenschaften für jedes Bauteil einzeln ermittelt werden, was das Bauen erheblich verteuert."

Erste Alternativen werden entwickelt, um Bauherren weiter Orientierung zu bieten. So kritisiert die Überwachungsgemeinschaft Polyurethan-Hartschaum (ÜGPU) den Wegfall des Ü-Zeichens. "Hersteller deklarieren nun die wesentlichen Eigenschaften ihrer Produkte nur noch in eigener Verantwortung und bringen das CE-Zeichen selbst an", heißt es in einer aktuellen Information des Verbands. Dessen Mitglieder haben beschlossen, "ihre Produkte auch zukünftig durch unabhängige Stellen überwachen und zertifizieren zu lassen" und zu diesem Zweck gemeinsam mit dem Forschungsinstitut für Wärmeschutz München "ein freiwilliges Zertifizierungsprogramm entwickelt". Statt des Ü-Zeichens wird künftig das Q-Zeichen der ÜGPU als Nachweis der freiwilligen Qualitätssicherung aufgebracht.

Der ÜGPU erklärt den Unterschied zum CE-Zeichen. Dieses berücksichtige lediglich den Nennwert der Wärmeleitfähigkeit eines Baustoffes, der unter Laborbedingungen ermittelt werde. Entscheidend für das Produktverhalten sei jedoch der sogenannte "Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit", der das Verhalten des Dämmstoffes auf der Baustelle charakterisiere. "Der Bemessungswert entspricht der tatsächlichen Wärmeleitfähigkeit eines Dämmstoffs unter typischen Anwendungsbedingungen und ist für den Wärmeschutznachweis maßgebend", erklären die ÜGPU-Experten. Die Wärmeleitfähigkeit eines Dämmstoffs hänge unter anderem von Faktoren wie Temperatur und Feuchte ab. Diese Anwendungsbedingungen und das Umgebungsklima würden bei der Ermittlung des Bemessungswertes durch Korrekturfaktoren berücksichtigt. Um bei wärmeschutztechnischen Berechnungen realistische Ergebnisse zu erhalten, müssten daher die Bemessungswerte der Wärmeleitfähigkeit verwendet werden und nicht die Nennwerte.


Redaktion: Joachim Hoffmann