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Wohnen: Raumreserven nutzen - mit Zwang oder durch Ausbau

Raum zum Wohnen ist knapp - es gibt aktuell unterschiedliche Ansätze, das Problem zu lösen. Die Stadt Tübingen will Leerstand künftig mit hohen Geldbußen bestrafen. Eine Alternative hierzu sind zum Beispiel Aufstockung und Dachausbau.

Dachausbau und Aufstockungen helfen, Raumreserven zum Wohnen zu nutzen.

Dachausbau und Aufstockungen helfen, Raumreserven zum Wohnen zu nutzen.

(München, 17.10.2016) Tübingen gehört zu den Städten, deren Nachfrage von Raum zum Wohnen stark durch die Universität geprägt wird. Gefragt - und deshalb teuer - sind WG-Zimmer ebenso wie große Wohnungen und Häuser für Dozenten und Lehrstuhlinhaber. Trotz der enorm hohen Wohnraumnachfrage hat eine Analyse der Stadtverwaltung ergeben, dass in der Neckarstadt rund 150 Gebäude nicht bewohnt sind. Eine Mehrheit des Gemeinderates hat am 4. Oktober 2016 beschlossen, diesen Zustand zu ändern, um mehr Raum zum Wohnen in der Stadt zu schaffen.

Nach der neuen Satzung wird dauerhafter Leerstand von Raum zum Wohnen als Ordnungswidrigkeit eingestuft. Geldbußen bis zu 50.000 Euro kann die Stadt künftig über jeden verhängen, der eine Wohnung sechs Monate oder länger leer stehen lässt. "Es ist nicht akzeptabel, dass viele Menschen händeringend in Tübingen nach einer Wohnung suchen und andererseits ganze Häuser leer stehen", sagte Oberbürgermeister Boris Palmer zur Begründung.

Diese Vorgehensweise ist (noch) die Ausnahme. Die Politik ist eher bemüht, mit baulichen Maßnahmen Raum zum Wohnen zu schaffen beziehungsweise Reserven zu erschließen. So zielt eine Initiative des Bundesbauministeriums und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) darauf ab, mittels Dachaufstockungen und Dachausbauten die angespannten Wohnungsmärkte zu entlasten. "Mit einer maßvollen Verdichtung in den gefragten Innenstadtlagen können neue Wohnungen entstehen, ohne zusätzliche Flächen zu versiegeln", sagte Bundesbauministerin Barbara Hendricks bei der Vorstellung des Konzepts. Auch wenn der bezahlbare Wohnungsbau ein politischer Schwerpunkt bleibe, bestehe auch eine hohe Nachfrage im mittleren Preissegment. "Gerade hier bieten Dachausbauten und Aufstockungen gute Möglichkeiten", erklären die Experten des BBSR.

Vor allem die Bestände zum Wohnen der 1950er- bis 1970er-Jahre - knapp 40 Prozent des Wohngebäudebestandes - eigneten sich für den Ausbau, weil diese ohnehin saniert werden müssten. Das Raumpotenzial schätzen die Wissenschaftler als hoch ein, allerdings seien Dachausbauten und Aufstockungen mit hohen Kosten verbunden, die entstehenden Wohnungen deshalb eher im mittleren und oberen Preissegment angesiedelt. "Positive Effekte für den Wohnungsmarkt werden dadurch erzielt, dass die künftigen Nutzer auch preiswertere Bestandswohnungen frei machen." Außerdem stelle die Erweiterung des Raums zum Wohnen im Oberstübchen von Gebäuden auch in dichten oder nachverdichteten Quartieren eine attraktive Option dar.

Um die Baukosten für Aufstockungen und Dachausbau im Rahmen zu halten, empfiehlt das BBSR den Kommunen, planerische Ermessensspielräume zu nutzen und kostentreibende Auflagen angemessen zu reduzieren. "Eigentümer wägen sehr genau ab, ob sich ihre Investitionen rechnen", sagt BBSR-Direktor Harald Herrmann. "Zudem wirken rechtliche Anforderungen der Länder und Kommunen, wie etwa die Stellplatzpflicht oder die Pflicht, einen Aufzug einzubauen, als Kostentreiber."


Redaktion: Joachim Hoffmann