Experteninterview Sparen beim Anschlusskredit

"VIELE EIGENHEIMBESITZER KÖNNEN BEIM ANSCHLUSSKREDIT OFT GROSSE SUMMEN AN ZINSKOSTEN SPAREN"

Bei der Anschlussfinanzierung gibt es großes Sparpotenzial. Die Finanzierungsexpertin Melanie Lackner gibt wichtige Tipps.

Die Zinsen sind derzeit niedrig, oft deutlich niedriger als zum Beispiel vor zehn Jahren. Wer damals einen Kredit abgeschlossen hat, kann mit einer Anschlussfinanzierung sparen. Wir haben Melanie Lackner, Teamleiterin Finanzierungsberatung bei Interhyp in München, nach guten Tipps gefragt.

Was sollten Haus- und Wohnungsbesitzer bei ihrem Anschlusskredit unbedingt beachten?

Melanie Lackner: Sie sollten sich nicht einfach auf das Verlängerungsangebot der Hausbank verlassen, sondern sich am besten frühzeitig und gut informieren, Angebote vergleichen und die Chance nutzen, das ursprüngliche Finanzierungsmodell zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Hier ist eine gute Beratung durch einen Baufinanzierungsexperten gefragt. Wir bei Interhyp vergleichen die Angebote von über 400 Banken und hinterfragen in den Beratungsgesprächen gemeinsam mit unseren Kunden, ob das ursprünglich gewählte Finanzierungsmodell noch sinnvoll ist. Vielleicht kann jetzt höher getilgt werden, weil sich die Einkommenssituation verbessert hat. Dann wäre die Wohnung schneller schuldenfrei. Oder man möchte das Darlehen aufstocken, etwa für eine Modernisierung. Hier lässt sich oft die alte Grundschuld nutzen. Das kommt alles ganz auf den individuellen Fall an. Wir fragen immer: Was war gut am bisherigen Finanzierungskonzept, was passt heute besser zu Ihrer Lebenssituation? Daneben ist es natürlich ganz wichtig, gerade bei der Anschlussfinanzierung den Zinsmarkt zu beobachten und zu einem günstigen Zeitpunkt abzuschließen.

Gibt es denn "den" günstigsten Zeitpunkt für die Anschlussfinanzierung?

Melanie Lackner: Die Zinsen sind aktuell besonders niedrig, insofern können viele Eigenheimbesitzer derzeit mit ihrer Anschlussfinanzierung oft große Summen an Zinskosten sparen – im Vergleich zu ihrer Erstfinanzierung. Ob sie jetzt schon einen Anschlusskredit abschließen können, hängt von der Zinsbindung des Erstkredits ab. Wir raten aber, sich schon möglichst früh, durchaus schon Jahre vor Ablauf der Zinsbindung, zu informieren. Denn es gibt zum Beispiel sogenannte Forward-Darlehen, mit denen sich Kunden lange im Voraus günstige Zinsen für die Zukunft sichern können. Das ist sechs Monate bis zu einem Jahr vor Ablauf der Zinsbindung teilweise sogar ohne Zinsaufschläge möglich. Auch für einen Abschluss drei Jahre im Voraus bieten eine Reihe von Banken gute Konditionen. Wir beraten daher auch schon gerne frühzeitig. Unser Rat: Spätestens ein Jahr im Voraus sollten sich Eigenheimbesitzer auf jeden Fall mit ihrem Anschlusskredit beschäftigen, damit sie noch in Ruhe alle Möglichkeiten durchdenken und vergleichen können. Und für diejenigen, die sich nicht sofort entscheiden und den Zinsmarkt weiter verfolgen wollen, bieten wir unser kostenloses Zins-Radar. Damit informieren wir per E-Mail regelmäßig zu den Konditionen für die selbst gewählten Eckdaten. Was viele Kunden mit langen Verträgen über 15 Jahre und länger übrigens nicht wissen: Zehn Jahre nach Vollauszahlung des Darlehens können sie mit einer Frist von sechs Monaten jederzeit kündigen. Das ist in Deutschland gesetzlich so geregelt.

Gibt es sonstige Sparchancen für Eigenheimbesitzer?

Melanie Lackner: Ja, zum Beispiel bei der Sondertilgung: Wenn vertraglich ein bestimmter Betrag oder Prozentanteil fürs Kalenderjahr festgelegt ist, sollten Haus- und Wohnungsbesitzer daran denken, dies bei Bedarf zu nutzen. Denn wer tilgt, spart sich oft hohe Zinskosten – und ist schneller schuldenfrei. Außerdem sicher interessant: Je nach Saison gibt es vielfach Rabatte und Aktionen der Banken. Hier können Kunden beim Anschlusskredit oft besonders günstige Angebote nutzen.

Was möchten Sie den Anschlussfinanzierungskunden noch mit auf den Weg geben?

Melanie Lackner: Sie sollen den Vergleich nicht scheuen, denn es ist überhaupt kein Problem, beim Anschlusskredit die Bank zu wechseln. Die Kosten sind gering und der Aufwand ist überschaubar. Die Banken regeln die Abwicklung untereinander, etwa die Abtretung der Grundschuld. Wir von Interhyp unterstützen auch dabei, zum Beispiel indem wir für den Kunden die Anforderung von etwaigen Unterlagen übernehmen.

Melanie Lackner
Melanie Lackner, Teamleiterin Finanzierungsberatung bei Interhyp in München