Mut zum Träumen: So wird Ihr Zuhause Wirklichkeit

"Der Kunde sollte sich mit seiner Finanzierung genauso wohl fühlen wie mit seiner Immobilie"

Mirjam Mohr, Vorständin Privatkunden der Interhyp AG

Das eigene Zuhause ist für viele Menschen die größte Investition ihres Lebens. Im Interview erzählt Mirjam Mohr, Vorständin für das Privatkundengeschäft bei Interhyp, warum man die Finanzierung auch mal außen vor lassen sollte, welche Fragen wirklich wichtig sind und warum es sich lohnt, alte Denkmuster zu hinterfragen.

Frau Mohr, Interhyp hat über 800.000 Menschen ins eigene Zuhause begleitet. Warum ist dieses "Stück Beton" so erstrebenswert?

Das Zuhause ist für uns der wichtigste Rückzugsort. Dort können wir ganz wir selbst sein, mit all unseren Ecken und Kanten. Zugleich repräsentiert uns unser Haus, unsere Wohnung. Die Farbe der Wand, die Wahl des Sofas – all das ist bewusst gewählt und sagt etwas über uns aus. Unser Zuhause gibt uns Sicherheit. Insbesondere, wenn es einem auch gehört. Ich weiß, dass mich dort niemand mehr rauswerfen kann – allein das ist unbezahlbar. Hinzu kommen die rationalen Aspekte: Ich kann umbauen, wie es mir beliebt, im Alter bin ich besser abgesichert und Studien zufolge sogar etwas wohlhabender. Denn Eigentümer sparen in der Regel mehr als Mieter und profitieren von der Wertsteigerung ihrer Immobilie. Kurzum: Es fühlt sich einfach gut an.

Und wie finanziere ich mir diesen Traum?

Ich würde gern einen Schritt zurückgehen und etwas noch Wichtigeres ansprechen.

Aber die Finanzierung ist das Wichtigste.

Sie ist die Grundlage, ohne geht es meist nicht. Dass sie das Wichtigste ist, würde ich nicht sagen. Entscheidender sind die Lebensplanung und die Frage, wie eine Immobilie dazu passt und vor allem was für eine Immobilie. Wie stelle ich mir mein Leben vor? Wo und wie möchte ich leben? Jetzt und in fünf bis zehn Jahren. Sehe ich mich in einem frei stehenden Einfamilienhaus auf dem Land mit großem Garten und Trampolin für die Kinder? Oder kommt mir als erstes die Stadtwohnung in den Sinn? Diesen Fragen sollten wir mehr Raum geben. Daher raten wir unseren Kunden immer: Vergesst jetzt mal kurz die Zinsen, den Eigenkapitalanteil, die monatliche Rate und so weiter. Denkt lieber in Ruhe über das nach, worauf es wirklich ankommt und dann sprechen wir über die Finanzierung.

Das kostet Zeit und die haben viele Menschen nicht, vor allem in Ballungsräumen.

Das stimmt. Aber in der Regel kaufen Menschen nur einmal in ihrem Leben eine Immobilie. Da sollte man über diese Fragen länger als fünf Minuten nachdenken. Sonst trifft man womöglich die für sich falsche Entscheidung.

Immobiliensuchende bewegt vor allem die Frage, ob sie in der Stadt oder auf dem Land leben wollen. Wie finde ich heraus, was zu mir passt?

Als bei mir selbst die Entscheidung anstand, habe ich mich intensiv mit meiner Lebenssituation befasst und mich gefragt: Wo arbeite ich derzeit? Wie könnte sich das entwickeln? Wo leben die Menschen, die mir wichtig sind? Wo möchte ich meine Freizeit verbringen? Als es dann konkreter wurde, bin ich den Weg von der Immobilie zur Arbeit einfach mal gefahren. In der Rush Hour. Danach war klar: Das Haus außerhalb am See wäre traumhaft gewesen, aber es hätte nicht gepasst. Zudem hätte mir die Nähe zur Stadt gefehlt. Mein Leben hätte sich zu sehr verändert und das neue hätte nicht aufwiegen können, was mir am alten fehlt.

Sobald der Ort steht, bleibt noch die Frage, ob es ein Haus oder eine Wohnung wird.

Sprechen Sie einfach mal mit Freunden, Bekannten oder Arbeitskollegen, die ein Haus haben und fragen sie, wie viel Zeit sie dort investieren. Das hilft bei der Entscheidung. Denn ein Haus mit Garten macht Arbeit. Man muss den Rasen mähen, es gibt keinen Hausmeister, der die Reparaturen erledigt und es kostet auch mehr als eine Eigentumswohnung. Allerdings hat man in der Regel mehr Platz und kann es sich im Garten gemütlich machen. Bei einer Eigentumswohnung ist man Teil einer Wohneigentümergemeinschaft, was auch stressig sein kann. Man sollte beides durchdenken und für sich abwägen, was besser zum eigenen Leben passt.

Nun ist alles durchdacht, die Entscheidung gefällt, jetzt geht's an die Finanzierung.

Genau. Idealerweise bevor die Suche losgeht. Das hat zwei Vorteile: Man weiß, wie viel man sich leisten kann und die emotionale Komponente überstrahlt die rationale nicht.

Was meinen Sie damit?

Ich erkläre es an einem Beispiel: Sie sind auf der Suche nach einer Immobilie und verlieben sich schlagartig in ein Objekt. In Gedanken richten Sie bereits das Wohnzimmer ein, schlendern durch das Viertel und so weiter. Im Gespräch mit einem Finanzierungsberater merken Sie, dass die Traumimmobilie finanziell nicht realisierbar ist. Sich in diesem Moment von dem Objekt zu lösen und vernünftig zu sein, ist schwer. Dementsprechend groß ist das Risiko, dass man sich übernimmt. Wer vorab seinen finanziellen Rahmen kennt, entgeht dem von mir beschriebenen Szenario.

Was sollten Käufer darüber hinaus beachten?

Man sollte bei der Finanzierung genauso ehrlich sein mit sich selbst wie bei der Frage, ob eine eigene Immobilie ins Leben passt oder nicht. Essenziell ist der finanzielle Spielraum und was ich glaube, wie dieser sich entwickeln wird. Ein neuer Job, eine Beförderung, das erste Kind oder vielleicht das zweite oder dritte – all das wirkt sich darauf aus und sollte bei der Finanzierung kalkuliert werden. Weil jedoch jede Finanzierung individuell ist, gibt es darauf nicht die eine Antwort.

Im Grunde geht es also um Flexibilität ...

... genau.

Baufinanzierung und Flexibilität – schließt sich das nicht aus?

Nicht unbedingt. Man kann die Finanzierung sehr genau an das Leben und die Bedürfnisse des Kunden anpassen. Sondertilgungen, Tilgungssatzänderungen oder frei wählbare Zinsbindungen bis hin zu Volltilgerdarlehen ermöglichen mehr Freiraum, als viele Menschen denken. Gleiches gilt für die Sicherheit. Letztlich sollte sich die Finanzierung an das Leben des Käufers anpassen und nicht umgekehrt.

An welchen Punkten sollten Käufer nicht rütteln?

Die Tilgung ist einer dieser Faktoren. Zurzeit sind die Zinsen niedrig, das sollte man nutzen und hoch tilgen. Zwei Prozent sind für Menschen Mitte 20 passend, die haben noch ausreichend Zeit, die Immobilie abzubezahlen. Je nach Alter und individueller Situation empfehlen wir eine Tilgung um drei Prozent – wenn möglich auch mehr. Grundsätzlich ist das aber abhängig von den finanziellen Rahmenbedingungen. Viele unserer Kunden rechnen zum Beispiel noch mit einem Erbe. Je nachdem wie sicher das ist, kann man das in die Finanzierung einbauen und sich so etwas mehr Freiraum schaffen.

In der Niedrigzinsphase heißt es oft, man solle so viel eigenes Geld wie möglich einbringen.

Ja, allerdings sollte man genau überlegen, wie viel man einsetzen will. Wer ein neugebautes Objekt kauft, sollte tatsächlich möglichst viel einbringen. Dadurch wird in der Regel der Zinssatz besser. Wer ein Bestandsobjekt kauft, sollte je nach Zustand noch einen Teil für die Renovierung oder Modernisierung zurückhalten.

Und mit Beginn der Rente muss ich schuldenfrei sein, idealerweise noch etwas früher.

Mit solchen Verallgemeinerungen tue ich mich schwer. Je nach Lebensplan gibt es vielfältige Optionen. Manche Kunden möchten mit Rentenbeginn schuldenfrei sein, andere werden das nicht ganz schaffen. Beides ist in Ordnung, so lange die Rate im Rentenalter noch zur Einkommenssituation passt. Wir schätzen es, wenn unsere Kunden vorsichtig sind, aber man muss sich nicht an jedes bestehende Denkmuster halten. Stattdessen wünschen wir uns, dass der Kunde weiß, warum er sich für seine Finanzierung entschieden hat und sich damit genauso wohlfühlt wie mit seiner Immobilie.


Interview: Julia Meyer

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