Wer zahlt ein Darlehen nach der Scheidung?

Hier finden Sie die Antwort

Kommt es in einer Ehe zu einer Scheidung, führen Schulden, die während der Ehe gemacht wurden, oft zum Streit. Der Grund hierfür ist recht schnell erklärt: Vielfach hält sich noch immer der Mythos, Gewinne – und entsprechend auch Schulden – würden in einer Ehe automatisch gemeinsam erwirtschaftet und bei einer Trennung hälftig den beiden Ehepartnern zugeordnet. Das ist in Deutschland aber nur noch bei der Errungenschaftsgemeinschaft der Fall, die lediglich für Eheverträge gilt, die vor dem 1. Juli 1958 geschlossen wurden. Darüber hinaus gilt bei Darlehensverträgen, wie übrigens grundsätzlich bei allen Verträgen, dass nur der Ehepartner für die Erfüllung eines Vertrags verantwortlich ist, der den Vertrag auch unterschrieben hat.

Haben also Sie den Vertrag geschlossen, müssen Sie das Darlehen auch alleine zurückzahlen. Generell haben Sie auch nicht die Möglichkeit, eine Beteiligung an der Rückzahlung der Schuld von Ihrem Partner zu fordern. Es gibt allerdings eine Ausnahme von dieser Regel: Hat ein Ehepartner Schulden aufgenommen, um damit Kosten zu decken, die gemeinsamen Zwecken dienten, darf er nach der Trennung verlangen, dass sich der Partner an der Rückzahlung der aufgenommenen Schulden beteiligt. Dabei darf es sich jedoch nicht um allgemeine Lebenshaltungskosten handeln. Ein Kredit für ein gemeinsam betriebenes Geschäft würde also unter diese Ausnahmeregelung fallen, ein Kredit für eine Urlaubsreise zu zweit wäre dagegen ausgeschlossen.

Eine Beteiligung an der Rückzahlung von Schulden ist häufig auch über den "Umweg" Unterhaltszahlungen möglich. Muss ein Ehepartner nämlich neben den Ratenzahlungen für einen Kredit auch noch Unterhaltszahlungen leisten, darf er die Hälfte der Kreditrate vom Unterhalt abziehen. Das gilt allerdings nur für Schulden, die vor der Trennung aufgenommen wurden.

Bei gemeinsam aufgenommenen Schulden – also bei Kreditverträgen, die beide Ehepartner unterzeichnet haben – sind beide gleichermaßen für die Rückzahlung verantwortlich. Der Kreditgeber darf sich dabei aussuchen, von wem er die Rückzahlung verlangt – der Ehepartner muss dann die gesamte Summe zahlen und kann sich nicht darauf berufen, dass er nur die Hälfte des Betrags schulde. Er kann allerdings vom Partner einen Ausgleich bis zur Hälfte der Rückzahlung verlangen. Ein Ausgleich ist nur dann nicht möglich, wenn beide Ehepartner noch zusammen leben und wirtschaften. Darüber hinaus ist ein Ausgleich auch dann ausgeschlossen, wenn lediglich ein Ehepartner vom Kreditvertrag profitiert – beispielsweise, wenn er alleine ein über den Kredit finanziertes Auto nutzt.

Weitere Informationen rund um das Thema Darlehen bei einer Trennung erhalten Sie von den Experten von Interhyp.

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