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INTERHYP-ZINSBERICHT VOM 07. OKTOBER 2021

Interhyp-Zinsbericht

Leichter Zinsanstieg bei Baudarlehen – mit weiterem Aufwärtspotenzial

Aktuelle Zinsprognose. Diese Themen erwarten Sie:

  • EZB hält trotz Inflationsanstieg weiter an Zins- und Geldpolitik fest, Fed stellt mögliche Straffung in Aussicht
  • Lieferengpässe und andere Nachwirkungen der Corona-Pandemie belasten Konjunktur
  • Interhyp-Bauzins-Trendbarometer: Langfristig steigender Trend

Mirjam Mohr, Vorständin Privatkundengeschäft der Interhyp AG: "Die Zinsen für Immobiliendarlehen haben nach einer Zinsdelle im August und September Anfang Oktober leicht zugelegt. Im Durchschnitt sind Kredite dennoch weiterhin für unter 1 Prozent erhältlich. Immobilienkäuferinnen und -käufer mit Finanzierungsbedarf bekommen die Ambivalenz der Märkte durch schwankende Konditionen zu spüren. Einerseits deuten steigende Inflationszahlen, teilweise bessere Arbeitsmarktdaten und Erfolge im Kampf gegen die Corona-Pandemie auf höhere Zinsen hin, andererseits bleibt die Konjunkturerholung unsicher und gegenüber Störungen anfällig – wie Lieferkettenprobleme, hohe Energiepreise oder heftige Kursreaktionen an den Börsen zeigen. Trotz uneinheitlicher Vorgaben gibt es kurz- und langfristig eine Tendenz hin zu steigenden Zinsen. Das sehen auch die Expertinnen und Experten so, die wir monatlich im Rahmen unseres Interhyp-Bauzins-Trendbarometers befragen."

Welt und Märkte haben vom Ausgang der Bundestagswahl zwar Notiz genommen, aber nicht nennenswert reagiert. Zudem hält das weltweite Tagesgeschehen viele brisante Themen parat. Die Impferfolge machen die Corona-Pandemie zwar in immer mehr Ländern etwas besser beherrschbar, gleichzeitig zeigen neue Höchststände bei den Todesopfern, wie etwa in Russland, dass es ein langer Weg aus der Pandemie bleiben wird – selbst wenn es künftig bessere Medikamente geben könnte, die den Krankheitsverlauf unabhängig von einer Impfung verbessern. Neben der Pandemie blicken Investoren auf diverse Entwicklungen – etwa Lieferengpässe in vielen Branchen und die Brexit-Nachwehen in England, wo aktuell viele Regale und Tankstellen leer sind.

Diese Gemengelage beeinflusst auch Zinsen und die Zinspolitik – und damit die Frage, zu welchen Konditionen Immobilienkäufer hierzulande Darlehen aufnehmen können. Ebenso wirkt sich die große Weltbühne direkt und indirekt auf die Immobiliennachfrage in Deutschland aus. Die Menschen sehnen sich nach Sicherheit für sich und ihr Geld. Das lässt die Nachfrage nach und die Preise von Objekten steigen. Zuletzt auch besonders in den Städten unweit der Metropolen, wie wir in einer Analyse zeigen konnten. Auch wenn die Bundestagswahl die Märkte kaum beeinflusst hat, werden die nächsten Wochen für Immobilieninteressenten und Eigentümerinnen und Eigentümer durchaus spannend. Die möglichen Koalitionspartner vertreten in Bezug auf die Schaffung von Wohneigentum, Energieeffizienz, Neubau und Besteuerung sehr unterschiedliche Positionen. Wir werden uns weiter dafür stark machen, dass so viele Menschen wie möglich den Weg ins eigene Zuhause schaffen – und sich mit einer soliden Finanzierung den Weg zu mehr Wohlstand, Lebensqualität und einer soliden Altersvorsorge ebnen.

* Expertenpanel siehe unten

Interhyp-Expertenrat

Die in den vergangenen Wochen leicht gestiegenen Zinsen mögen für einige Käufer ärgerlich sein – aber sie dürfen nicht überinterpretiert werden. Das gilt einerseits im historischen Zinskontext, in dem das Zinsniveau um ein Vielfaches höher liegt. Das gilt andererseits mit Blick darauf, dass die Konditionen weiter steigen könnten. Wir raten zu einem Eigenkapitaleinsatz von idealerweise 20 bis 30 Prozent, um die Kreditsumme im Zaum und die Konditionen niedrig zu halten. Zudem sollte die Anfangstilgung mindestens drei Prozent betragen. Wer ein Objekt gefunden hat, das seinen Vorstellungen entspricht, und das mit Blick auf Beleihungsauslauf und monatliche Kreditrate gut darstellbar ist, der sollte im aktuellen Zinsumfeld nicht auf niedrigere Konditionen spekulieren. Zwar könnten die Konditionen auch nach unten schwanken. Kurz- und Mittelfristig sind bei der aktuellen Marktlage jedoch höhere Konditionen etwas wahrscheinlicher. Deshalb macht es für Menschen mit bestehenden Darlehen, deren Zinsbindung bald ausläuft, durchaus Sinn, ein Forward-Darlehen zu erwägen. Damit lassen sich günstige Zinsen lange im Voraus sichern.

Zins- und Marktumfeld

Die in vielen Ländern stark angestiegene Inflation bleibt im Fokus vieler Investoren und vor allem der Notenbanken. In Deutschland ist die Inflation auf 4,1 Prozent geklettert und in der Eurozone auf 3,4 Prozent. Die Notenbanken bewerten die Verteuerung der Preise derzeit noch eher als temporär. Dass die Inflation aktuell über das lang gesteckte Ziel von rund zwei Prozent hinausschießt, gilt noch lange nicht als verlässlicher Indikator steigender Nachfrage und Konsumlaune. Auch wenn die US-Notenbank Fed zuletzt einen sehr behutsamen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik angekündigt hat, setzen sowohl die US-Notenbanker als auch die europäischen Kollegen zunächst weiterhin auf ein niedriges Leitzinsniveau und Anleihekäufe. Der Inflation muss zwar grundsätzlich Einhalt geboten werden – aber nicht um den Preis, die Konjunkturerholung zu gefährden.

Die Details rechtfertigen die Taktik der Notenbanker. Die Preise für Öl und Erdgas steigen zwar kräftig, gleichzeitig haben mehrere Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Wachstumserwartungen nach unten korrigiert. Noch immer gibt es Lieferkettenprobleme, was zu Produktionsausfällen führt. Vor diesem Hintergrund war in den vergangenen Wochen vermehrt von einer möglichen Stagflation zu lesen – bei der zwar die Preise zulegen, aber die Wirtschaft schrumpft.

Auch wenn die aktuelle Beweislage für ein solches Szenario zum Glück nicht nachhaltig ist, so bleibt der jetzige Aufschwung fragil. Die Arbeitsmarktzahlen beispielsweise entwickeln sich nicht stringent. In den USA gab es anders als erwartet zuletzt mehr Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. In Deutschland indes hat sich die Lage im September weiter verbessert. Laut Bundesagentur für Arbeit sank die Zahl der Arbeitslosen auf 2,465 Millionen. Auch wenn es bei der Kurzarbeit Entspannung gibt, so lag in Deutschland die Zahl der Empfänger von Kurzarbeitergeld zuletzt bei mehr als 900.000. Dies erinnert daran, dass die Staaten den Aufschwung weiterhin mit sehr viel Geld ankurbeln. Dass Geld endlich ist, zeigte Ende September ebenfalls der Beinahe-Shutdown in den USA. Die Staatsverschuldung wächst weltweit – und muss refinanziert werden.

Gerade die Bundesrepublik Deutschland hat in den vergangenen Jahren interessanterweise sogar daran verdient, Schulden aufzunehmen. Investoren kauften und kaufen Bundesanleihen, die neben den Leitzinsen eine wichtige Benchmark für Immobilienzinsen sind, sogar mit Minuszinsen – so viel wert war ihnen die Sicherheit deutscher Staatsanleihen. Die hohe Schuldenmenge und ein etwas höheres Risiko führen nun aber dazu, dass die Zinsen etwas steigen. Nachdem die Renditen für zehnjährige deutsche Staatsanleihen im Sommer bei rund minus 0,4 Prozent tendiert haben, liegen sie nun nur noch bei rund minus 0,2 Prozent. Die Schuldenpapiere stehen zwar weiterhin hoch im Kurs, aber der Bund verdient nicht mehr ganz so gut an ihnen. Sollten die Renditen ins Plus drehen, müsste der Bund Geld bezahlen, um Schulden zu machen – was eigentlich der gelernten Normalität entspricht. Das würde dann auch die Zinsen für Baugeld weiter steigen lassen.

Kurz und knapp: Das sagen die Expertinnen und Experten

Die von uns befragten Expertinnen und Experten gehen in der Mehrheit kurzfristig von gleichbleibenden und mittel- bis langfristig von steigenden Zinsen aus.

Im Detail: Die Aussagen der Experten im Interhyp-Bauzins-Trendbarometer

  • Allianz: "Der Kapitalbedarf der Staaten muss refinanziert werden und die Bilanzen der Zentralbanken sind schon sehr stark gewachsen, so dass der Anschein besteht, dass die Kapitalmärkte ein Teil der Mittel den Staaten direkt dauerhaft leihen müssen. Und bei Direktinvestitionen in Staatsanleihen sind positive Renditen eine nötige Voraussetzung."

  • Commerzbank: "Mit aufkommenden Sorgen, dass der Inflationsbuckel nicht nur vorübergehend ist und die Notenbanken früher als bislang gedacht die geldpolitische Unterstützung zurückfahren, sind die Zinserwartungen zuletzt global gestiegen. Kurzfristig dürfte der Gegenwind aus den USA anhalten, aber trotz der "moderat reduzierten" -Anleihekäufen dürfte der Einfluss der EZB auf die Euro-Anleihemärkte auch im vierten Quartal signifikant bleiben. Zinserhöhungen sehen wir auf absehbare Zeit im Euroraum weiterhin nicht."

  • DKB Deutsche Kreditbank: "Die Bundestagswahl hatte keinerlei Einfluss auf die Kapitalmarktzinsen. Unverändert im Mittelpunkt steht die Unsicherheit der weiteren Inflationsentwicklung. Die vorläufigen September Inflationszahlen sind in Deutschland erstmals seit über 25 Jahren über 4 Prozent. Die meisten Markteilnehmer erwarten trotzdem eine unverändert expansive EZB Geldpolitik, so dass bei den Kapitalmarktzinsen in den nächsten Monaten nur mit einem moderaten Zinsanstieg zu rechnen ist."

  • ING Deutschland: "Der anhaltende Inflationsdruck und der sich verstärkende Konjunkturaufschwung verringern die Notwendigkeit ultra lockerer Geldpolitik. Die amerikanische Notenbank Fed hat den Einstieg in den Ausstieg aus der sehr lockeren Geldpolitik ja fast schon angekündigt und auch die EZB wird im nächsten Jahr das Anleihenkaufprogramm langsam zurückfahren. Während Erhöhungen der Leitzinsen noch eine Weile nicht auf der Tagesordnung stehen werden, so sollte der langsame Einstieg in den Ausstieg zu einem leichten Anstieg der langfristigen Zinsen führen." (gilt auch für Österreich)

  • HypoVereinsbank: "Wie bereits im Frühjahr 2021 sehen wir aktuell deutlich steigende Marktrenditen. Ursache sind Ansteckungseffekte, nachdem in den USA und UK eine Straffung der Geldpolitik angekündigt wurde. Dies steht in starkem Kontrast zu den Aussichten für die Geldpolitik der EZB. Kurzfristig könnte der Aufwärtsdruck auf die Renditen noch anhalten. Mittelfristig sollte die Aussicht auf anhaltend sehr niedrige Leitzinsen in der Eurozone ein weiterhin gedämpftes Renditeniveau garantieren."

  • Postbank: "Die Europäische Zentralbank hat angekündigt, die Anleihekäufe im Rahmen ihres Pandemie-Nothilfeprogramms zurückzufahren. Auch in den USA dürfte eine Entscheidung zur Reduzierung der Anleihekäufe kurz bevorstehen. Bei gleichzeitig hohen Inflationsraten und einer immer noch soliden Konjunkturentwicklung nimmt der Aufwärtsdruck bei den Renditen zu, was auch zu einer Verteuerung von Hypothekendarlehen führen sollte."

  • Santander: "Mehrere Faktoren sprechen für mittelfristig moderat steigende Kapitalmarktzinsen. Die amerikanische Notenbank signalisiert recht deutlich, dass sie noch in diesem Jahr damit beginnen möchte, ihr billionenschweres Anleiheankaufprogramm zu drosseln. Es mehren sich die Anzeichen, dass die kräftig gestiegenen Inflationsraten sich langsamer zurückbilden werden als vor wenigen Monaten angenommen. Zudem dürfte sich die kräftige Konjunkturerholung trotz der großen Angebotsengpässe nur vorübergehend etwas abschwächen, so dass die Wachstumsraten im nächsten Jahr höher als bisher prognostiziert ausfallen sollten."

  • Sparkasse Hannover: "Die Zinsentwicklung schwankt derzeit zwischen den Einflüssen zunehmender Konjunktursorgen und steigender Inflationserwartungen und –risiken. Bestätigt sich Anfang 2022 die Prognose einer nur vorübergehend erhöhten Inflationsrate, wird die EZB ihre Nettoanleihekäufe bis mindestens zum Ende des Jahres 2023 fortsetzen und bis dahin nur langsam reduzieren. Damit wird der von den Märkten erwartete Zeitpunkt für die erste Leitzinserhöhung im Euroraum tendenziell nach hinten verschoben. Der Aufwärtsdruck bei den langfristigen Renditen dürfte daher trotz konjunktureller Verbesserung stark begrenzt sein."

* Interhyp-Bauzins-Trendbarometer: Für diese Ausgabe haben wir Experten der Allianz, der Commerzbank, der DKB, der ING Deutschland, der HypoVereinsbank, der MünchenerHyp, der Postbank, der PSD Bank Rhein-Ruhr, der PSD Bank RheinNeckarSaar, der Santander und der Sparkasse Hannover zur kurz- sowie mittel- und langfristigen Zinsentwicklung befragt. Das Interhyp-Bauzins-Trendbarometer sagt aus, wieviel Prozent der Antworten jeweils "gleichbleibend", "fallend" oder "steigend" lauteten.

** Bei 2/3 der durch die Vermittlung der Interhyp AG, Domagkstraße 34 in 80807 München, zustande kommenden Verträge, erhalten Interhyp-Kunden einen festen Sollzins von 0,84% p.a. und einen effektiven Jahreszins von 0,84% p.a., unter Berücksichtigung folgender Annahmen: Nettodarlehensbetrag 200.000 Euro (Kaufpreis der Immobilie 250.000), Tilgung 3% p.a., Laufzeit des Verbraucherdarlehensvertrages 29 Jahre 5 Monate, 10 Jahre Sollzinsbindung, pro Jahr 12 Ratenzahlungen in der Höhe von 640,00 Euro. Weitere etwaige Gebühren (z.B. Teilauszahlungszuschläge, Auslagen (z.B. Grundbuchkosten)) und sonstige Kosten können anfallen. Sofern der Darlehensnehmer diese im Zusammenhang mit dem Vertrag zu tragen hat, kann sich der effektive Jahreszins erhöhen. Der zu zahlende Gesamtbetrag während der Sollzinsbindung beläuft sich auf 79.299 Euro. Die Restschuld am Ende der Zinsbindung beträgt 137.430,80 Euro. Weitere Voraussetzungen: Einwandfreie Einkommens- und Vermögenssituation, erstrangige Besicherung über ein Grundpfandrecht, Auszahlung in einer Summe. Die Konditionen können auch regional sowie von weiteren Faktoren abhängig sein.

Die aktuellen Tendenzen

Kurzfristig
(4 Wochen):

gleichbleibend

Tendenz kurzfristig

Mittel- bis
langfristig:

steigend

Tendenz kurzfristig

Aktuelles Zinsniveau

0,84%/0,84% **

gebundener Sollzins/effektiver Jahreszins für zehnjährige Darlehen

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Bester Baufinanzierer (Euro 08/2021)

Interhyp wurde bereits zum sechzehnten Mal in Folge vom Wirtschaftsmagazin Euro als "Bester Baufinanzierer" ausgezeichnet.