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Akuter Engpass bei Neubau-Wohnungen

Die Zahl der jährlich neu gebauten Wohnungen nimmt zwar zu, doch reicht die von KfW-Research prognostizierte Zahl von 300.000 Wohnungen im Jahr 2016 nicht aus, um den Bedarf zu decken. Dieser liegt laut der Studie bei 350.000 bis 400.000 Wohnungen jährlich.

Bautätigkeit

(München, 14. April 2016) KfW Research geht davon aus, dass die Wohnungsbauinvestitionen 2016 um real drei Prozent steigen und mit rund 300.000 Wohnungen knapp 50.000 mehr Wohnungen als 2015 gebaut werden. Benötigt werden laut KfW Research allerdings jährlich etwa 50.000 bis 100.000 mehr neue Wohnungen. Neben der hohen Zuwanderung sowohl aus der Europäischen Union als auch aus Bürgerkriegsländern erhöhe die deutlich gestiegene Zahl der Studierenden den Druck auf den Wohnungsmarkt. "Der Bedarf an Wohnraum wächst vor allem in Großstädten und deren Umland sowie in Universitätsstädten", sagt Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe. Erst 2017 könne es gelingen, die benötigten 350.000 bis 400.000 Wohneinheiten zu erreichen. "Historisch niedrige Bauzinsen, ausreichende Kapazitäten der Bauwirtschaft, die Ausweitung des sozialen Wohnungsbaus sowie die von Bund und Ländern geplante Sonderabschreibung werden den Neubau weiter beflügeln", erwartet Zeuner. "Entscheidend ist jedoch auch, dass die wachsenden Städte zügig und ausreichend Bauland zur Verfügung stellen."

In begehrten Wohnungsmärkten steigt nach Einschätzung von KfW Research unterdessen die Gefahr regionaler Immobilienpreisblasen. Dies gelte zum Beispiel für Großstädte wie Berlin, München, Hamburg, Köln oder Frankfurt am Main. Die Immobilienpreise seien dort im vergangenen Jahr stärker gestiegen als die Mieten. Zumindest ein Teil der Investoren scheine darauf zu spekulieren, angesichts anhaltender Wohnraumknappheit weitere Mieterhöhungen durchsetzen zu können. Ein weiterer Indikator für eine Erhitzung am Wohnungsmarkt ist laut KfW-Experten das Volumen der Kredite für den privaten Wohnungsbau. Dieses sei im Jahr 2015 gestiegen. Wohnungsbaudarlehen mit einer Zinsbindung von mehr als 10 Jahren seien um 53 Prozent ausgeweitet worden. "Das Risiko steigt, aber ob sich mit der expansiven Kreditvergabe tatsächlich regionale Immobilienpreisblasen aufblähen, bleibt zu beobachten", kommentiert Zeuner. Die Banken hätten ihre hohen Kreditstandards beibehalten, bei den meisten Krediten gebe es Zinsbindungsfristen von mehr als 5 Jahren.

Auch der Immobilienverband Deutschland IVD geht davon aus, dass die Wohnbautätigkeit hinter dem Bedarf zurückbleiben wird, geht jedoch - unter Einbeziehung der Zuwanderung - von einem erheblich höheren Bedarf aus als KfW-Research. "Um den Wohnraumbedarf, der sich unter anderem aus der aktuellen Flüchtlingskrise ergibt, zeitnah zu decken, müssen bis 2020 jährlich gut 494.000 Wohnungen gebaut werden", erklärt der IVD mit Bezug auf eine Untersuchung der Universität Freiburg. Die von Prof. Bernd Raffelhüschen erstellte Studie erfasse die Auswirkungen der Flüchtlingsströme auf die langfristige Wohnimmobiliennachfrage in Deutschland und stelle dem Basisszenario ein Flüchtlingsszenario zum Bevölkerungswachstum gegenüber. "Die Nachfrage nach Wohnraum steigt drastisch durch den Zustrom an Flüchtlingen, das Basisszenario wird dadurch gestärkt", sagt Raffelhüschen. Im vergangenen Jahr seien über eine Million Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Auf lange Sicht gehe das Statistische Bundesamt davon aus, dass weiterhin jährlich 200.000 Menschen nach Deutschland einwandern werden. "Der Wohnflächenbedarf ist noch viel größer als angenommen, bis 2060 wird dieser nicht mehr unter das Niveau von 2016 fallen", betont Jürgen Michael Schick, Präsident des Immobilienverbandes IVD. Der forcierte Neubau sei das einzig wirksame Mittel, um dem Problem zunehmender Wohnraumknappheit zu begegnen. "Alleine im vergangenen Jahr wurden in Deutschland nur zirka 309.000 neue Wohnungen genehmigt. Das sind rund 191.000 Wohnungen zu wenig", kritisiert Schick.


Redaktion: Franziska Buß