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Baufinanzierung: Experten sehen weitere Regulierung kritisch

Baufinanzierung im Fokus: Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln bewertet Instrumente zur Beschränkung der Kreditvergabe in einer aktuellen Analyse als wenig zielführend.

Baufinanzierung: Preissteigerungen nähren Angst vor Immobilienblase

Baufinanzierung: Preissteigerungen nähren die Angst vor einer Immobilienblase

(München, 22.06.2016) Der starke Anstieg der Immobilienpreise und der damit einhergehende höhere Bedarf nach Baufinanzierungen bereitet der Bundesregierung derzeit offenbar Sorgen. Nach einem Bericht des Handelsblattes prüft das Finanzministerium Regelungen, die im Bedarfsfall schnell zur Umsetzung gebracht werden könnten. Sollte sich eine Preisblase am Immobilienmarkt bilden, könnte mit einer verschärften Regulierung der Immobilienkreditvergabe die Nachfrage am Markt gedämpft und damit der Preisauftrieb verlangsamt werden, so das Kalkül. Die Überlegungen folgen auf eine Empfehlung vom Ausschuss für Finanzstabilität aus dem vergangenen Jahr. Darin wird der Bundesregierung nahegelegt, entsprechende Rechtsgrundlagen zu initiieren. Diese sollen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ermöglichen, die Kreditvergabe in der Baufinanzierung zu beschränken, um Gefahren für die Finanzstabilität in Deutschland entgegenzuwirken.

Das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat jetzt mit einer aktuellen Analyse Kritik an möglichen Beschränkungen der Kreditvergabe in der Baufinanzierung geübt. Die Daten zur Verschuldung in Deutschland zeigen den Experten zufolge, dass Immobilienfinanzierungen hierzulande nach dem Vorsichtsprinzip strukturiert sind. Gerade Haushalte mit geringerem Einkommen wählen konservative Finanzierungsmodelle, während Finanzierungen mit niedrigen Eigenkapitalquoten häufiger in gutverdienenden Haushalten zu beobachten sind, so die IW-Analysten. Für Haushalte mit höheren Einkommen stellen die Einschränkungen den Experten zufolge einen schwerwiegenden Eingriff in die Vertragsfreiheit dar, der Effekt auf die Finanzstabilität bleibe dagegen eher unbestimmt aufgrund der geringen Risiken bei Haushalten mit wenig Einkommen.

Nachteilig sei ein staatlicher Eingriff in die Vergabe von Baufinanzierungen für das Bankensystem. Die damit einhergehende Reduzierung der Zinseinnahmen führe dazu, dass den Banken der Eigenkapitalaufbau schwerer falle, was wiederum die Robustheit des Finanzsektors beeinträchtige. Zwar sei es erforderlich, den Markt für Immobilienfinanzierungen kontinuierlich und sorgsam zu untersuchen. Begrenzungen der Kreditvergabe erscheinen den Experten aktuell jedoch als wenig zielführend. Die Instrumente können, so das IW, damit kaum zur weiteren Erhöhung der Finanzstabilität beitragen, dagegen jedoch schädlich für Banken und Kreditnehmer wirken.


Redaktion: Britta Barlage