News

Bauherren leiden unter Pfusch am Bau

Für Bauherren ein Ärgernis: Fehler bei der Planung und Pfusch bei den Gewerken führen jedes Jahr zu Schäden in Milliardenhöhe, zeigt eine aktuelle Studie. Daher sollten Bauherren und Käufer für ihr Projekt auf jeden Fall fachlichen Rat einholen.

Baumängel können Bauherren hohe Kosten bescheren.

Baumängel können Bauherren hohe Kosten bescheren.

(München, 27.09.2016) Private Bauherren müssen einer neuen Studie zufolge oft damit rechnen, dass Baumängel Kosten verursachen. Ein "erschreckendes Bild" ergibt nach Angaben des Düsseldorfer Marktforschungsinstituts BauInfoConsult die Analyse von Baufehlern für das Jahr 2015: "Die 540 befragten Architekten und Verarbeiter schätzen nämlich, dass der entstandene Fehlerkostenanteil am gesamten Branchenumsatz im Schnitt bei rund 14 Prozent liegt." Das ergäbe insgesamt mehr als 14 Milliarden Euro, wenn man es auf den statistisch erfassten Gesamtumsatz im Baugewerbe im Jahr 2015 bezieht.

Als Gründe führen die Marktforscher vor allem fehlerhafte Planung, mangelnde Bauausführung und schlechte Kommunikation zwischen den Gewerken an. Im Hinblick auf ihre eigenen Projekte kamen die interviewten Baufachleute zu einem ähnlich schlechten Ergebnis. Laut der Einschätzung der Befragten hat in durchschnittlich 13 Prozent ihrer eigenen Bauprojekte aus dem Jahr 2015 der Fehlerteufel gewütet.

Weil am Bau so vieles im Argen liegt, rät der Verband Privater Bauherren (VPB) eindringlich dazu, Bauvorhaben von einem Sachverständigen begleiten zu lassen. Das gelte auch für schlüsselfertige Objekte. Wenn sich Bauunternehmen um alles kümmern, dann klingt das für viele Kaufinteressenten zunächst nach sorgenfreiem Kauf. Der Verband Privater Bauherren rät trotzdem zur Vorsicht: "Gerade beim Altbau steckt der Teufel im Detail."

Schon beim Bauvertrag drohten Fallstricke. "Viele Unternehmer, die als Bauträger Altimmobilien sanieren und anschließend weiterverkaufen, versuchen beispielsweise, den nicht sanierten Teil der Immobilie vertraglich aus der Haftung auszuschließen." Dem habe der Bundesgerichtshof jedoch schon vor Jahren einen Riegel vorgeschoben und entschieden (BGH, 08.03.2007 - VII ZR 130/05), dass der Bauunternehmer trotz einer Ausschlussklausel für den gesamten Bau - die alten wie auch die neuen Teile -, hafte, "wenn der Haftungsausschluss formelhaft ist und der Notar nicht eingehend dessen Bedeutung erörtert hat".

Nur ordentlich honorierte, unabhängige Baurechtsanwälte oder Sachverständige gewährleisten laut VPB eine objektive Beratung. Der Sachverständige könne nicht nur regelmäßig die Baustelle kontrollieren, sondern unterstütze Bauherren auch bei der Abnahme und begutachte die Immobilie "vor Ablauf der Gewährleistungsfrist noch einmal ausgiebig, um eventuelle Mängel noch fristgerecht zu reklamieren." Sei die Wohnung schon fertig gebaut bzw. saniert, dann sei es sinnvoll, einen "unabhängigen Sachverständigen um eine gründliche Begutachtung zu bitten - und zwar mit Prüfung der Pläne und Bauunterlagen".

Vor dem Kauf einer sanierungsbedürftigen Wohnung müssen sich die potenziellen Käufer darüber im Klaren sein, welche Kosten auf sie zukommen. Mit groben Schätzungen ist es nicht getan. Der VPB nennt einige wichtige Punkte, die sich entscheidend auf die Kosten auswirken. So müssten bei einer umfassenden Sanierung die Bestimmungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) berücksichtigt werden. "Da kann einiges auf die Käufer zukommen, denn die bisherigen Besitzer des Hauses konnten sich meist auf den Bestandsschutz berufen und mussten nicht nachrüsten." In vielen Bundesländern bestehe zudem eine Pflicht, einen Mindestanteil der für Heizung und Warmwasserbereitung benötigten Energie regenerativ zu erzeugen. Klassische Problembereiche bei Altbauten, die die Kosten erhöhen können, sind nach Angaben der VPB-Experten Flachdächer, feuchte Kellerwände, Balkone und Garagendächer.


Redaktion: Joachim Hoffmann