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Bauland: Experten warnen vor hohem Flächenverbrauch im ländlichen Raum

In Ballungsräumen wird dringend neuer Wohnraum benötigt. Doch nach Ansicht von Experten wird neues Bauland oft in ländlichen Gebieten erschlossen, wo es nicht unbedingt benötigt wird.

Bauland wird aktuell häufig auf dem Land erschlossen - dabei ist die Nachfrage in Ballungsräumen höher.

Bauland wird aktuell häufig auf dem Land erschlossen - dabei ist die Nachfrage in Ballungsräumen höher.

(München, 09.07.2018) Mit unterschiedlichen Fördermaßnahmen will die Bundesregierung die Neubautätigkeit ankurbeln und damit die Wohnungsnot in Ballungsräumen lindern. Doch Experten warnen vor einem unerwünschten Nebeneffekt von mehr erschlossenem Baulaund auf dem Land: Je mehr neue Gebäude errichtet werden, umso schneller schreiten Flächenverbrauch und Zersiedelung voran.

"Eine solche Förderpolitik mit der Gießkanne wird regionalen Unterschieden nicht gerecht und dem regelrecht gespaltenen Wohnungsmarkt schon gar nicht", kritisiert Volkswirt Ralph Henger vom Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW). So sei in vielen ländlichen Regionen ein Anstieg des Leerstands zu beobachten, der durch die Ausweisung neuer Baugebiete und das Baukindergeld noch beschleunigt werde. Gleichzeitig werde durch das Bauland wertvolle Naturfläche verbraucht.

In der Kritik steht dabei das neue Baukindergeld: Da die Förderung in absoluten Beträgen erfolgt, ist nach Hengers Ansicht der Förderanteil an der Gesamtfinanzierung dort besonders hoch, wo die Immobilienpreise niedrig sind und eine eher geringe Nachfrage herrscht. "Für die Bürgermeister ist das ein Anreiz, mehr Bauland auszuweisen, um Familien anzulocken, die sich die Förderung nicht entgehen lassen wollen", so der IW-Experte.

Die Folge: Nach Berechnungen des Instituts wird in vielen Landstrichen weit über den demografischen Bedarf hinaus gebaut. Davon betroffen seien unter anderem der Nordosten und der Nordwesten der Republik sowie Teile von Nordrhein-Westfalen. Insgesamt sei die Siedlungsfläche in Deutschland zuletzt um 66 Hektar pro Tag gewachsen. Dies sei weit entfernt von dem Ziel der Regierung, den Flächenverbrauch bis zum Jahr 2020 auf 30 Hektar täglich zu senken.

Auch das Umweltbundesamt betrachtet die zunehmende Zersiedelung mit Sorge. "Insgesamt sind die Inanspruchnahme immer neuer Flächen und die Zerstörung von Böden auf die Dauer nicht vertretbar und sollten beendet werden", schreibt die Behörde in einer Stellungnahme. Um weniger Naturfläche in Bauland umwandeln zu müssen, schlägt das Umweltbundesamt vor allem Maßnahmen in innerörtlichen Bereichen vor. Dazu zählen unter anderem die Wiederbelebung von Brachflächen sowie die Aktivierung von ungenutzten innerörtlichen Baugrundstücken durch die Einführung von Abgaben für nicht genutztes Bauland.


Redaktion: Thomas Hammer

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