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Die Stadt wächst, das Land schrumpft

Immer mehr Menschen ziehen aus ländlichen Gebieten in Städte. Allerdings wachsen nicht alle Städte gleich stark. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung.

Wegzug und Überalterung betrifft oft ländliche Gebiete

Leere Spielplätze: Ländliche Regionen haben oft mit Abwanderung zu kämpfen


(München, 18.08.2015) Großstädte verzeichnen steigende Bevölkerungszahlen, während die Zahl der Einwohner in ländlichen Gebieten stagniert oder gar schrumpft: Das ist der langfristige Trend, der sich laut einer Untersuchung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) abzeichnet. Die Wissenschaftler haben für ihre Analyse neben den Bevölkerungsdaten der deutschen Städte und Gemeinden auch weitere sozioökonomische Kennzahlen ausgewertet, die das Gesamtbild zur langfristigen Entwicklung vervollständigen sollen.

"Die Großstädte haben eine enorme Sogwirkung", sagt BBSR-Direktor Harald Herrmann. So konnte Spitzenreiter Münster von 2008 bis 2013 eine Zunahme der Einwohnerzahl um 8,9 Prozent verbuchen. Auch Frankfurt am Main, Darmstadt, München und Leipzig zählen mit einem Plus von 7 Prozent oder mehr zur Spitzengruppe. Allerdings gibt es im Ruhrgebiet auch Großstädte mit rückläufiger Einwohnerzahl.

Einen größeren Anteil an schrumpfenden Städten verzeichnet die Größenklasse zwischen 20.000 und 100.000 Einwohnern. Hier haben vor allem die einstigen industriellen Mittelzentren im Osten Deutschlands wie Hoyerswerda oder Bitterfeld-Wolfen mit Abwanderung zu kämpfen. Am besten stehen die mittelgroßen Städte da, die sich im Umland von Metropolen befinden. Kleinstädte leiden der Studie zufolge häufig nicht nur unter sinkenden Einwohnerzahlen, sondern auch von einer überproportionalen Veränderung der Altersstruktur: Während die älteren Einwohner bleiben, zieht es junge Fachkräfte und Akademiker in die größeren Städte, wo sich oftmals bessere Chancen für das berufliche Weiterkommen eröffnen.

Um die Situation in ländlichen Regionen zu entschärfen, empfehlen die Wissenschaftler des BBSR die Unterstützung von Klein- und Mittelstädten bei der Stadtentwicklung. Es gelte, auch mit Hilfe gezielter Fördermaßnahmen den Status dieser Kommunen zu verbessern, indem soziale und technische Infrastruktur gebündelt und die Versorgungsfunktion für die umliegenden Gemeinden gestärkt werde.


Redaktion: Magdalena Lindner