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Energetische Gebäudesanierung: Heizung und Fassaden im Fokus

Bei der energetischen Sanierung von Gebäuden wird die Nachfrage nach Heizungsanlagen und Fassadensystemen in den kommenden drei Jahren steigen. Zu diesem Ergebnis kommt der Marktforscher Bauinfoconsult auf Basis einer Umfrage in der Baubranche. Andere Gebäudeteile wie Fenster, Wand, Dach und Keller stünden dagegen nicht im Fokus von Renovierern.

Heizung Schornstein

(München, 07.04.2016) Die Komplettmodernisierung eines Hauses ist energetisch sinnvoll, aber auch kostspielig. Bei einer Anschlussfinanzierung sollten möglicherweise auftretende Renovierungskosten mitbedacht werden. Die meisten Immobilienbesitzer oder -käufer nehmen lieber Einzelmaßnahmen vor, um die Energiebilanz zu verbessern, zum Beispiel die Dämmung der Gebäudehülle. Eine Markterhebung von Bauinfoconsult zeigt, dass in den nächsten drei Jahren besonders im Bereich Heizung und Fassade mit stärkerer Bautätigkeit zu rechnen ist. Mehr als die Hälfte der 360 telefonisch befragten Branchenakteure gehen davon aus, dass der größte Nachfrageschub bei Heizungsanlagen zu erwarten ist. Zusätzlich sehen 45 Prozent der Architekten und Verarbeiter die energetische Sanierung von Fassaden und Mauerwerken auf dem Vormarsch. Ein Nachfragezuwachs im Bereich Dach und Keller wird dagegen nur von 14 beziehungsweise 8 Prozent der Befragten prognostiziert - "obwohl diesen beiden Gebäudeteilen bei der energetischen Sanierung aus bauphysikalischer Sicht auch eine große Bedeutung zukommt", wie die Experten von Bauinfoconsult betonen. Viele Verbraucher hätten beim Thema Energieeffizienz die Bereiche Fenster, Türen, Dach und Keller weniger im Blick.

Die Ergebnisse von Bauinfoconsult stimmen mit einer Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) überein. Hier wurde der deutsche Renovierungsmarkt für den Zeitraum 2010 bis 2014 untersucht. Laut der Studie betrafen über 90 Prozent aller Modernisierungen einzelne Maßnahmen wie den Austausch von Fenstern, Türen oder Heizungen. Große Einzelmaßnahmen ab 10.000 Euro seien hingegen rückläufig. Einen besonders starken Rückgang habe es in dem untersuchten Zeitraum bei der energetischen Komplettmodernisierung mit minus 33 Prozent gegeben.

Auch insgesamt war die energetische Sanierungstätigkeit bei Wohngebäuden laut BBSR in den letzten Jahren rückläufig - wenn auch auf hohem Niveau. Mehr als 170 Milliarden Euro seien 2014 in die Modernisierung und Instandsetzung von Gebäuden in Deutschland geflossen. Gut zwei Drittel aller im Baubereich investierten Mittel wurden damit für Bestandsmaßnahmen aufgewandt. Allerdings seien die Investitionen in die energetische Sanierung von Wohngebäuden zwischen 2010 und 2014 deutlich zurückgegangen. Flossen im Jahr 2010 noch 40,9 Milliarden Euro in die energetische Effizienzsteigerung von Wohngebäuden, waren es vier Jahre später noch 34,8 Milliarden Euro.

Verantwortlich für diese Entwicklung sei unter anderem die reduzierte Förderung bei der Photovoltaik. "Folglich brachen die Investitionen in diesem Bereich ein", sagt Stefan Rein, Leiter der BBSR-Studie. "Durch die stark gesunkenen Energiepreise rentieren sich Modernisierungsmaßnahmen viel weniger als noch in der Phase mit sehr hohen Energiepreisen. Eigentümer müssen länger warten, bis sich Maßnahmen zur energetischen Verbesserung amortisieren. Deshalb zögern besonders Ältere zu investieren", so Rein.

Die Privateigentümer, die Geld in eine Modernisierung ihrer Immobilie steckten, ließen sich besonders von pragmatischen Erwägungen leiten: Mehr als zwei Fünftel der vom BBSR befragten Privateigentümer nannten als Motiv die Beseitigung von Schäden. Für ein Viertel der Befragten war die Wert- beziehungsweise Komforterhöhung der Wohnung ausschlaggebend für die Investition. Die Energieeinsparung spielte hingegen kaum eine Rolle. Nur zwei Prozent der Befragten, die 2014 mindestens eine Maßnahme an ihrem Wohngebäude ausführten, nutzten Fördermittel für die Maßnahmen. Für lediglich ein Drittel von ihnen war die Förderung der tatsächliche Anlass zur Sanierung.


Redaktion: Britta Barlage