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Energetische Sanierung rückläufig

Die Investitionen in die Energieeffizienz von Gebäuden ist laut einem Bericht zur Lage der Bauwirtschaft zurückgegangen. Mehrere aktuelle Studien zeigen mögliche Ursachen dieses Trends.

Energetische Sanierung kann sinnvoll sein

(München, 05.01.2016) Mehr als 70 Prozent aller Investitionen im Wohnungsbau fließen in die Erhaltung und Modernisierung bestehender Gebäude - im Jahr 2014 waren dies über 130 Milliarden Euro. Allerdings sind die Investitionen in energetische Sanierungen im Vergleich zu 2010 um 16 Prozent zurückgegangen. Das geht laut Angaben des Dachverbands Deutscher Immobilienverwalter (DDIV) aus dem Bericht zur Lage und Perspektive der Bauwirtschaft 2015 des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hervor. Eine Ursache dafür ist laut BBSR die Verunsicherung der Verbraucher hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit energetischer Maßnahmen. Außerdem verteuern neue technische Anforderungen das Bauen und Sanieren. Die Kosten müssen bei der Planung einer Modernisierung und ihrer möglichen Finanzierung über einen Kredit berücksichtigt werden.

Der DDIV führt den Rückgang bei der energetischen Sanierung auch auf die fehlende Motivation und Qualifikation von Immobilienverwaltern zurück, energetische Sanierungen anzuregen und zu begleiten. In einer 2014 von dem DDIV und der KfW-Bank durchgeführten Umfrage haben 58 Prozent der befragten Immobilienverwalter angegeben, dass finanzielle Anreize fehlten, um derart komplexe Prozesse anzugehen. Neben zusätzlichen Haftungsrisiken erforderten die Planungs- und Baumaßnahmen ein erhöhtes Arbeitsaufkommen. Oft würden die Vorleistungen des Verwalters durch die Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) nicht vergütet und es sei auch nicht immer sicher, ob sich eine WEG letztlich für eine energetische Sanierung entscheide. Angesichts dieser ernstzunehmenden Entwicklung drängt der DDIV auf eine Informationsoffensive für Wohnungseigentümer und Immobilienverwalter.

Ein weiterer Grund für die Zurückhaltung bei energetischen Maßnahmen sind auch rechtliche Änderungen, denn die neue Stufe der Energieeinsparverordnung (EnEV) ist zum 1. Januar 2016 in Kraft getreten. Auch hatte das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) im Mai 2015 Hinweise zur Verbesserung des Brandverhaltens von schwerentflammbaren Wärmedämmverbundsystemen mit sogenanntem EPS-Dämmstoff (expandierter Polystyrol-Hartschaum) bekannt gegeben. Die vor allem bei Bauträgern beliebten EPS-Dämmungen sind noch aus anderen Gründen in den Fokus geraten. Laut dem Verband Privater Bauherren (VPB) könnte Polystyrol möglicherweise in Zukunft nach den Regelungen für gefährliche Abfälle behandelt werden. Als Alternativen im Massivbau nennt der VPB zum Beispiel Dämmstoffe wie Mineral- und Holzfaserplatten oder gedämmte Steine.


Redaktion: Patrizia Difonzo