News

Experten sehen keine Gefahr einer Immobilienblase in Deutschland

Trotz gestiegener Immobilienpreise und anhaltend starker Nachfrage nach Wohnimmobilien und Baufinanzierungen besteht momentan keine Gefahr einer Immobilienblase in Deutschland. Zu dieser Einschätzung kommen das Institut der deutschen Wirtschaft Köln und der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) der Europäischen Zentralbank.

Immobilienblase in Deutschland? Experten sehen keine Gefahr.

Hohe Preise in Metropolen: Eine akute Gefahr einer Immobilienblase sehen Experten derzeit nicht.

(München, 17.01.2017) Immobilienblase in Deutschland? Die beiden Studien des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln und des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken (ESRB) sehen dafür keine akuten Gefahren. Insgesamt gesehen vermittle der deutsche Immobilienfinanzierungsmarkt "einen soliden Eindruck", resümieren die Macher der IW-Studie. "Die Kreditnehmer sichern sich die historisch niedrigen Zinsen auf eine in der Regel lange Dauer. Gleichzeitig erhöhen sie ihre Tilgungssätze, was das Volumen einer möglicherweise notwendigen Anschlussfinanzierung senkt. Damit reduzieren die Kreditnehmer gleichzeitig auch das Risiko einer zu hohen Belastung bei künftig höheren Zinssätzen." Als kleines Warnzeichen vermerken die Kölner Wissenschaftler, "dass der Anteil der Kredite mit einem hohen Beleihungsauslauf von mehr als 81 Prozent ebenfalls zugenommen hat." Das sei darauf zurückzuführen, dass gestiegene Bau- und Immobilienpreise höhere Kredite erforderlich machten, andererseits verleiteten die niedrigen Zinsen zu einer höheren Kreditaufnahme. Doch insgesamt gingen Bauherren und Käufer keine übermäßigen Risiken ein. "Daher sind von der Nachfrageseite keine deutlichen spekulativen Tendenzen zu erkennen."

Die IW-Studie weist nach, dass sich die Immobilienpreise trotz der dynamischen Entwicklung der letzten Jahre "lediglich auf dem gleichen Niveau wie zu Beginn der 1980er Jahre" bewegten. Auch einige andere Kriterien für die Gefahr einer Immobilienblase seien nicht erfüllt. So sei das Hypothekenkreditvolumen in den vergangenen Jahren zwar angestiegen, aber langsamer als die durchschnittlichen Einkommen. "Die Haushalte sind also tendenziell immer geringer verschuldet", erklärt IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer. Die deutschen Käufer planten längerfristig und verfügten über das nötige Geld. So habe das durchschnittliche Einkommen derjenigen, die in den Jahren 2012 bis 2014 von Mietern zu Eigentümern wurden, deutlich über dem Gesamtdurchschnitt gelegen – 2014 um rund elf Prozent. Zudem seien die deutschen Immobilienkäufer in den Jahren 2013 und 2014 im Schnitt rund 50 Jahre alt gewesen, jeder fünfte Käufer sei Rentner – "eine Klientel, die kaum noch finanzielle Sorgen hat und ungern spekuliert", betont das IW. Entsprechend gering sei das Risiko eines Zahlungsausfalles.

Auch der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (European Systemic Risk Board - ESRB) sieht in Deutschland keine Anzeichen für eine Immobilienblase. Das Organ der Europäischen Zentralbank hat jüngst eine Warnung an acht Länder ausgesprochen, in denen der Wohnimmobiliensektor gefährlich heiß laufe und mittelfristig Risiken für die Gesamtwirtschaft entstünden. Deutschland ist hier nicht dabei, dafür aber Österreich, Belgien, Dänemark, Finnland, Luxemburg, die Niederlande, Schweden und Großbritannien. Gefahren sieht der Ausschuss vor allem in der Höhe der Verschuldung der Verbraucher sowie in der überhöhten Bewertung von Immobilien. Auch Estland und die Slowakei seien gefährdet, doch hätten dort die Regierungen adäquate Gegenmaßnahmen eingeleitet.


Redaktion: Joachim Hoffmann