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Fernwärmeversorgung: Kritik von Verbraucherschützern

Anschlusszwang und intransparente Preiserhöhungen - in der Fernwärmeversorgung liegt nach Ansicht von Verbraucherschützern vieles im Argen.

Fernwärme

(München, 05.04.2016) Rund 5,5 Millionen Haushalte werden in Deutschland mit Fernwärme versorgt, immerhin 14 Prozent aller Anschlüsse. Fernwärme gilt gemeinhin als besonders effizient in puncto Energieerzeugung, -speicherung und -verteilung. "Doch am Fernwärmesektor sind die Entwicklungen des Strom- und Gasmarktes der vergangenen 15 Jahre vorbeigegangen", bemängelt das Verbraucherbündnis aus den drei Verbänden Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Deutscher Mieterbund (DMB) und Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne). Jedes Fernwärmenetz stelle ein unreguliertes Monopol dar. Ein Anbieterwechsel bei Preiserhöhungen sei nicht möglich. Dieser Zustand müsse dringend geändert werden.

Lange Vertragslaufzeiten sowie die Pflicht zum Bezug von Fernwärme über einen Anschluss- und Benutzungszwang verhindern nach Ansicht von vzbv, DMB und bne die Umstellung auf fortschrittliche effizientere Wärmetechnologien. "Da sich Verbraucherinnen und Verbraucher Preis- und Vertragsänderungen nicht entziehen können, benötigen wir entweder Wettbewerb, eine Preisregulierung oder eine Genehmigung der Endpreise", fordert vzbv-Vorstand Klaus Müller. Verbraucherrechte seien auch im Fernwärmesektor an allgemeine Standards anzupassen. Basisinformationen zum Preis, zu den zur Wärmeerzeugung eingesetzten Energieträgern sowie zu Emissionen und Netzverlusten müssten zudem für Verbraucher im Internet abrufbar sein.

Durch Vertragslaufzeiten von meist zehn Jahren und Vertragsverlängerungen von fünf Jahren seien Verbraucher langfristig an den Fernwärmemonopolisten gebunden, bemängelt das Aktionsbündnis. Bei Preiserhöhungen oder Änderungen des Preissystems während der Vertragslaufzeit gebe es nicht wie bei Strom und Gas die Möglichkeit, den Anbieter zu wechseln. Bestehe ein Anschluss- und Benutzungszwang, könnten Verbraucher auch am Ende der Vertragslaufzeit nicht auf ein anderes Heizsystem umsteigen. Der Mieterbund kritisiert insbesondere, dass Preise für Fernwärme für Mieter nicht nachvollziehbar seien: "Immer wieder erreichen uns Beschwerden von Mieterinnen und Mietern, die die Tarife für die Fernwärme nicht verstehen und die mit Preiserhöhungen konfrontiert werden, die nicht akzeptabel sind. Deshalb braucht es mehr Transparenz und Verlässlichkeit für die Versorgung der Mieter mit Fernwärme", betont Lukas Siebenkotten, Bundesdirektor des DMB.

Problematisch sei die Entwicklung hin zu immer höheren Grundpreisanteilen. Die Erhöhung der festen Grundpreise belaste Haushaltskunden mit einem geringen Verbrauch besonders stark. Ein solches Preissystem stehe zudem im Widerspruch zu Energieeffizienzanreizen und zur Energiewende, denn Fernwärme basiere wesentlich auf fossilen Rohstoffen wie Kohle und Gas.


Redaktion: Franziska Buß