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Fremdwährungs-Darlehen: Niedrige Zinsen, hohe Risiken

Ein Darlehen zu Zinsen von weniger als zwei Prozent? Das gibt es – und gerade in der aktuellen Phase mit eher steigenden Zinsen scheinen solche Darlehensofferten auf den ersten Blick verlockend. Immerhin, so die erste überschlägige Rechnung von vielen Kreditsuchenden, lassen sich bei der Baufinanzierung damit im Vergleich zu herkömmlichen Bankdarlehen Zinsen im fünfstelligen Bereich einsparen.

Dass Darlehen zu solchen Zinsen überhaupt möglich sind, liegt an einem ebenso einfachen wie folgenreichen Trick: Anstatt wie beim klassischen Bankkredit die Schulden in Euro zu berechnen, werden die Darlehen in fremden Währungen geführt. Bevorzugt werden dabei Währungen mit extrem niedrigen Zinsen wie beispielsweise der japanische Yen oder der Schweizer Franken. Am Markt agieren mit solchen Modellen sowohl Baugeldvermittler als auch Banken, die dann die Kundenkredite zumeist an Geldinstitute im Ausland weitervermitteln.

Niedrige Darlehenszinsen werden mit Devisenkursschwankungen erkauft

Allerdings sollten sich Darlehensnehmer von den Mini-Zinsen nicht blenden lassen, denn der scheinbare Kostenvorteil wird mit hohen Risiken erkauft. Am schwersten wiegt dabei das Devisenkursrisiko, das sich sowohl auf die laufenden Raten als auch auf den Stand des Schuldenkontos auswirkt. Steigt der Devisenkurs um 10 Prozent, dann müssen selbst bei unverändertem Zins nicht nur 10 Prozent höhere Raten geleistet werden, sondern die Restschuld erhöht sich um denselben Faktor.

Dazu kommt, dass bei Fremdwährungs-Darlehen die Zinsen häufig variabel sind. Dies ist schon bei Euro-Darlehen ein Risikofaktor, weil sich bei einem Zinsanstieg der Kredit innerhalb weniger Monate drastisch verteuern kann. In Kombination mit dem Devisenkursrisiko kann dieser Faktor bei ungünstigen Konstellationen sogar mit dafür sorgen, dass die Finanzierung für den Kreditnehmer unbezahlbar wird und im schlimmsten Fall in der Zwangsversteigerung endet.

Daher sollten sich Bauherren von Darlehensofferten mit extrem niedrigen Zinsen nicht beeindrucken lassen, sondern die damit verbundenen finanziellen Risiken genau unter die Lupe nehmen. Dabei wird schnell klar, dass trotz des höheren Zinssatzes das Euro-Bankdarlehen mit langfristiger Zinsbindung in aller Regel die bessere Alternative ist.

Redaktion: Britta Barlage

Interhyp AG, 16.05.2011