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Grundsteuer steigt immer stärker

Viele Kommunen haben in den vergangenen Jahren die Hebesätze für die Grundsteuer massiv erhöht. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Beratungsgesellschaft Ernst & Young.

Stadt Lübeck

(München, 29.02.2016) Wer ein Wohnhaus oder eine Eigentumswohnung besitzt, muss dafür Grundsteuer entrichten. Diese Steuerart zählt zu den wenigen Steuern, die den Kommunen in voller Höhe zugute kommen und deren Höhe auch von den Gemeinden festgesetzt werden darf. Während die Bundesländer die Einheitswerte der Immobilien festsetzen, haben die Kommunen das Recht, mit der Festlegung eines sogenannten Hebesatzes den tatsächlichen Betrag für die Grundsteuer zu erhöhen oder zu senken.

Die Beratungsgesellschaft Ernst & Young hat in einer aktuellen Untersuchung geprüft, wie sich in den vergangenen Jahren die Hebesätze und damit die Steuerbelastungen für Haus- und Wohnungseigentümer in den deutschen Kommunen entwickelt haben. Der Trend zeigt dabei klar nach oben: Allein im ersten Halbjahr 2015 hat fast jede fünfte Kommune den Grundsteuer-Hebesatz für Wohnhäuser und Eigentumswohnungen heraufgesetzt.

Dabei treten große regionale Unterschiede zutage: Während in Baden-Württemberg und Bayern weniger als 10 Prozent der Städte und Gemeinden die Grundsteuer erhöht haben, sind in mehr als jeder zweiten Kommune in Hessen, Saarland und Nordrhein-Westfalen die Hebesätze gestiegen. Im bundesweiten Durchschnitt haben im Zeitraum von 2010 bis 2015 zwei Drittel der Kommunen die Grundsteuer erhöht.

Am höchsten ist die Steuerbelastung für Haus- und Wohnungseigentümer in Nordrhein-Westfalen, wo der durchschnittliche Hebesatz Mitte 2015 bei 493 Prozent lag. Deutschlandweiter Spitzenreiter im Kreis der Städte ab 50.000 Einwohner ist Duisburg mit einem Hebesatz von 855 Prozent. In Schleswig-Holstein begnügen sich Kommunen hingegen im Schnitt mit 311 Prozent und in Bayern mit 341 Prozent.

Mit ein Grund für den stetigen Anstieg der Grundsteuer sei die Hoffnung klammer Kommunen, mit der weitgehend konjunkturunabhängigen Steuer verlässliche Mehreinnahmen zu erzielen, meint Bernhard Lorentz, Partner bei Ernst & Young und Leiter des Bereichs Government & Public Sector: "Vor allem in Regionen mit einer großen Zahl finanzschwacher Kommunen wurden in den vergangenen Jahren massiv die Steuern erhöht."


Redaktion: Patrizia Difonzo