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Höhere Euro-Leitzinsen: Was heißt das für Ihre Baufinanzierung?

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat vor kurzem die Leitzinsen angehoben. So mancher Bauherr fragt sich nun, ob sich die Erhöhung der Leitzinsen auch auf die Baufinanzierung auswirkt. Immerhin ist aufgrund der zumeist sechsstelligen Darlehenssummen die Hebelwirkung schon bei kleinen Bewegungen am Zinsmarkt groß.

Keine Veränderung der Zinsen bei der Baufinanzierung müssen diejenigen befürchten, die bereits einen Kreditvertrag abgeschlossen haben. Auch wenn der Kredit erst einige Wochen später ausgezahlt wird, so gelten dennoch die vereinbarten Zinsen beim Abschluss des Baufinanzierungsvertrags. Auch während der gesamten Zinsbindungsfrist sind die Kreditverträge immun gegen das Auf und Ab am Zinsmarkt. Kreditnehmer, deren Zinsbindung noch viele Jahre läuft, müssen sich über die aktuelle Zinsentwicklung keine Gedanken machen.

Was bedeutet aber die Zinserhöhung für alle, die eine Baufinanzierung planen oder in absehbarer Zeit eine Anschlussfinanzierung brauchen? Anders als oftmals angenommen stehen Baugeldkonditionen und Leitzinsen nicht in direktem Zusammenhang. Während die EZB durch die Festlegung des Leitzinses die kurzfristigen Marktzinsen – also zum Beispiel Überziehungs-, Dispo- oder Tagesgeldzinsen – unmittelbar beeinflusst, entstehen langfristige Konditionen wie Hypothekenzinsen durch Angebot und Nachfrage am Anleihemarkt. Als Orientierungsgröße für die Entwicklung der Baugeldzinsen eignen sich daher Anleihen- und Pfandbriefsätze.

Dennoch erwarten die Interhyp-Experten mittelfristig steigende Zinsen bei Baufinanzierungen. Sowohl die Vorgaben aus den USA als auch die steigenden Inflationserwartungen in Deutschland selbst werden die langfristigen Zinsen weiter nach oben treiben.

Bei steigenden Zinsen sollten Sie handeln

Daher rät Interhyp allen Immobilienkäufern und Bauherren zu handeln, um sich die historisch betrachtet immer noch sehr niedrigen Zinsen bei der Baufinanzierung für einen möglichst langen Zeitraum zu sichern. Sie können dann doppelt profitieren: Von einer niedrigen Darlehensrate bei gleichzeitig hoher Kalkulationssicherheit.

Auch wer bald eine Anschlussfinanzierung braucht, sollte sich jetzt schlau machen. Steht das Ende der Zinsfestschreibung in den nächsten sechs Monaten an, sollten die Darlehensnehmer sofort beginnen, neue Kreditangebote einzuholen. Dann haben sie noch genügend Zeit für einen objektiven Zinsvergleich. Auch wenn es noch rund ein Jahr dauert, bis die Sollzinsbindung des Kredits ausläuft, haben Eigenheimbesitzer gute Chancen, ihr Darlehen zu den heutigen Top-Konditionen zu verlängern. Hintergrund: Einige Finanzinstitute haben den so genannten bereitstellungszinsfreien Zeitraum deutlich erweitert, d.h. der Darlehensnehmer hat bis zu zwölf Monate Zeit, das Darlehen in Anspruch zu nehmen, ohne dass er Gebühren für deren Bereitstellung zahlen muss.

Selbst wenn die Sollzinsbindung erst in zwölf bis 60 Monaten endet, kann man sich schon jetzt günstige Zinsen sichern. Und zwar mit einem Forward-Darlehen: Der Kunde schließt ein Darlehen ab, dessen Laufzeit in den nächsten fünf Jahren beginnt. Der bisherige Kredit läuft bis zum regulären Ende der Zinsfrist, dann greift das Forward-Darlehen auf Basis der Zinsen von heute. Für das Recht, sich das heutige Zinsniveau für die Zukunft zu sichern, wird aber ein relativ geringer Konditionsaufschlag erhoben.

Immer gilt dabei: Kreditnehmer sollten ihr Finanzierungsmodell so ausrichten, dass sie nicht schon bei kleinen Änderungen der Rahmenbedingungen in einen finanziellen Engpass geraten. Angesichts eher steigender Marktzinsen ist dies besonders empfehlenswert.

Redaktion: Britta Barlage

Interhyp AG, 04.08.2011