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Immobilien: Blasengefahr in Wachstumsregionen

Eine neue Studie des Forschungsinstituts empirica zeigt, dass die Gefahr einer Immobilienblase in Großstädten und Wachstumsregionen zunimmt. Der Vergleich mit früheren Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt in Irland oder Spanien lässt die Experten dennoch eher entspannt auf den Immobilienmarkt in Deutschland blicken.

EZB in Frankfurt

(München, 09.05.2016) Die Immobilienpreise in deutschen Großstädten steigen seit einigen Jahren an. Die Gefahr einer Immobilienblase wird daher immer wieder heftig diskutiert - und die Diskussionen erhalten durch aktuelle Statistiken neue Nahrung. So haben die LBS Hessen-Thüringen sowie der Sparkassenverband Bayern unlängst von Preissteigerungen in ihren Regionen und hohen Preisen für Immobilien in Frankfurt oder München berichtet. Im Stadtgebiet München seien laut Sparkassenverband Ein- oder Zweifamilienhäuser kaum unter einer Million Euro zu erwerben.

Jetzt hat das Forschungsinstitut empirica die Blasengefahr für verschiedene Regionen Deutschlands näher beleuchtet. Nach dem aktuellen empirica-Blasenindex nimmt die Blasengefahr in Deutschland insgesamt zwar zu, liegt aber noch unter einem "Normalwert" und ist von einer hohen Blasengefahr weit entfernt. Allerdings sei der Index in den Wachstumsregionen Deutschlands - also Regionen mit einem Bevölkerungszuwachs - mittlerweile über den Normalwert gestiegen. Das gelte auch für die Mehrheit der insgesamt zwölf näher betrachteten Großstädte, darunter zum Beispiel auch München und Frankfurt am Main. Eine "hohe" Blasengefahr bestehe laut empirica dennoch in keiner der untersuchten Metropolen.

Die Experten bestimmen den Blasenindex mittels verschiedener Parameter: So wird die Entwicklung des Verhältnisses von Kaufpreisen und Mieten betrachtet, die Entwicklung der Immobilienpreise im Vergleich zu den Einkommen, die Zahl der Neubauten sowie die Entwicklung der Wohnungsbaukredite. Zwar deuten laut empirica all diese Parameter derzeit in Richtung einer zunehmenden Blasengefahr, aber der Normalwert für den Gesamtindex sei noch nicht überschritten.

Was das genauer bedeutet, zeigt der Vergleich mit Irland und Spanien, den die Experten anstellen. Wie bei jeder geplatzten Blase seien die Hinweise auf drohende Blasenbildung in diesen beiden Ländern nicht zu übersehen gewesen: In Spanien wurden laut empirica im Maximum 15,4 Wohnungen pro Tausend Einwohner fertiggestellt und die ausstehenden Kredite für den Wohnungsbau waren auf 63 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gestiegen. In Irland lag die Fertigstellungsquote demnach sogar bei rund 21 Wohnungen pro Tausend Einwohner und die Schuldenquote bei 72 Prozent. Demgegenüber stünden die Zeichen in Deutschland noch auf Entspannung: Zuletzt wurden nur drei Wohnungen pro Tausend Einwohner fertiggestellt und die Schuldenquote lag bei 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, so empirica.

Auch Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret hatte kürzlich in mehreren Interviews starke Preiserhöhungen in Metropolen bestätigt. Von einer Immobilienblase in Deutschland könne man aber auch nach Einschätzung der Bundesbank derzeit nicht sprechen.

Redaktion: Britta Barlage