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Immobilien: Kaufen statt Mieten oft günstiger

Trotz deutlich gestiegener Preise ist der Erwerb von Immobilien in 96 Prozent aller deutschen Stadt- und Landkreise mit weniger als 30 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens machbar, wie eine aktuelle Studie errechnet hat. Zudem ist in zahlreichen Kreisen und einigen Städten der Immobilienkauf günstiger als Wohnen zur Miete.

Immobiliendarlehen sind häufig billiger als Mieten, weshalb sich der Kauf von Immobilien trotz steigender Preise lohnt.

Immobiliendarlehen sind häufig billiger als Mieten, weshalb sich der Kauf von Immobilien trotz steigender Preise lohnt.

(München, 18.07.2019) "Eine gängige Faustregel besagt, dass Wohnen nicht mehr als 30 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens kosten sollte. Nimmt man diese Grenze als Maßstab, wären 70 Quadratmeter Wohneigentum in 386 von 401 Kreisen und kreisfreien Städten in Deutschland für den durchschnittlichen Haushalt finanzierbar", heißt es in einer Mitteilung der Postbank. Die Forscher haben zudem ermittelt, dass in 112 Regionen die Miete teurer ist als die Finanzierung von Immobilien. Die Modellrechnung des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) für den "Wohnatlas 2019" der Postbank die Finanzierungskosten für eine 70-Quadratmeter-Wohnung und vergleicht sie mit der durchschnittlichen Nettokaltmiete, die im Mietfall zu zahlen wäre. Bei der Immobilienfinanzierung kalkulieren die Experten mit einem relativ hohen Zinssatz von 2,45 Prozent, einer Anfangstilgung von 4 Prozent sowie 20 Prozent Eigenkapital. Nebenkosten für Grunderwerbsteuer, Notar oder Umbauten werden nicht einbezogen. Hier lesen Sie zum Vergleich den aktuellen Zinsbericht von Interhyp.

Bei den sieben großen Metropolen gibt es laut HWWI und Postbank eine Zweiteilung. Während München (46,8 Prozent), Berlin (38,5 Prozent), Frankfurt (36,3 Prozent) und Hamburg (34,8 Prozent) über der Schallmauer von 30 Prozent liegen, sei Wohneigentum in Stuttgart (29,7 Prozent), Köln (27,3 Prozent) und Düsseldorf (27,1 Prozent) "noch erschwinglich". Gemeinsam ist allen Städten der "Big Seven", dass die Belastung durch die Miete unterhalb der 30-Prozent-Marke liegt - sogar in München (25,2 Prozent). Wie die Studie zudem zeigt, ist der Kauf von Immobilien nicht nur in abgelegenen ostdeutschen Regionen günstiger als das Wohnen zur Miete. Auch in 16 Großstädten über 100.000 Einwohner ist dies der Fall, so in Salzgitter (Kauf 9,3 Prozent / Miete 11,3 Prozent), Magdeburg (Kauf 13,1 Prozent / Miete 14,4 Prozent) und Mönchengladbach (Kauf 12,0 / Miete 13,0 Prozent).

Auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zeichnet in einer aktuellen Analyse ein differenziertes Bild des Immobilienmarkts. "Aufgrund des erreichten Preisniveaus in Ballungszentren sind starke Ausweichbewegungen ins Umland zu verzeichnen", betonen die Experten. Rechne man den internationalen Zuzug heraus, "verlieren viele Großstädte bei der Binnenmigration Einwohner". Dies entlaste zwar die städtischen Wohnimmobilienmärkte, führt aber zu erhöhten Pendlerzahlen und stelle die Verkehrsinfrastruktur vor enorme Herausforderungen.

Währenddessen schlägt das ifo-Institut Dresden Alarm im Hinblick auf den anhaltenden dramatischen Bevölkerungsrückgang in Ostdeutschland. Die Einwohnerzahl sei auf das Niveau von 1905 zurückgefallen. Einer der Gründe für diese Entwicklung sei der anhaltende Wegzug nach der Wende. Die ifo-Experten fordern eine Förderung des ländlichen Raums und der Städte im Osten, um den "sozialen Zusammenhalt" zu gewährleisten.


Redaktion: Joachim Hoffmann