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Immobilien: Zahlungspläne für Hausbau oft mangelhaft

Geht es um die Bezahlung ihrer Immobilie, werden Bauherren massiv benachteiligt. Eine Studie ergab, dass nur zwei von hundert untersuchten Zahlungsplänen in Bauverträgen aus Sicht der Verbraucher durchgehend akzeptabel sind.

Eine Studie ergab: Zahlungspläne beim Hausbau sind oft mangelhaft

Eine Studie ergab: Zahlungspläne beim Hausbau sind oft mangelhaft

(München, 11.04.2017) Wenn ab 2018 das neue Bauvertragsrecht in Kraft tritt, bedeutet das für Bauherren einen Fortschritt auch in Bezug auf die Gestaltung von Bauverträgen. Dass die bisherige Praxis unbefriedigend und zum Teil gefährlich für Bauherren ist, belegt die Abmahntätigkeit des Bauherren-Schutzbundes (BSB): Seit 2005 wurden 380 Vertragsklauseln aus Bauverträgen von insgesamt 40 bundesweit und regional tätigen Hausanbietern abgemahnt. 26 von ihnen unterzeichneten daraufhin Unterlassungserklärungen, bei 14 Firmen griffen die Gerichte ein.

Kritisiert werden immer wieder die Zahlungspläne für Immobilien. Gesetzlich sind die Bauunternehmen zur Vorleistung verpflichtet. Viele Zahlungspläne berücksichtigen das aber nicht. Bei einer Untersuchung von hundert Bauverträgen durch das Institut für Bauforschung e.V. Hannover (IFB) im Auftrag des BSB waren nur zwei davon im Hinblick auf Zahlungsmodalitäten unbedenklich. Daher sollten Bauherren vor Vertragsunterschrift fachkundigen Rat einholen. "Um finanziellen Risiken für Verbraucher vorzubeugen, ist eine unabhängige Prüfung der Zahlungspläne sehr wichtig, da auch die gesetzlichen Vorgaben vielfach nicht eingehalten werden", rät der Verbraucherverein.

"Überzogene Zahlungspläne sind im Baugeschäft an der Tagesordnung", kritisiert auch der Verband Privater Bauherren (VPB) und erklärt, warum dies für Bauherren bedrohlich werden kann. "Muss der Bauunternehmer Insolvenz anmelden, hat der Bauherr das Nachsehen. Er bleibt auf einer unfertigen Bauruine sitzen. Obendrein verliert er das gesamte voraus gezahlte Geld, denn Bauunternehmer sind in der Regel Gesellschaften mit beschränkter Haftung und haften im Insolvenzfall nur mit dem Gesellschaftsvermögen. Und das deckt in keinem Fall die Schäden."

Bei der Hälfte der vom IFB untersuchten Bauverträge müssen die Kunden im Vorhinein zahlen, obwohl die Leistung noch nicht erbracht wurde, kritisiert der BSB. "Nahezu ein Drittel der untersuchten Zahlungspläne verlangen zudem bereits vor Baubeginn eine erste Rate, ohne dass eine Gegenleistung erbracht worden ist." Dieses Vorgehen zieht sich meist durch die komplette Bauphase. Hinzu kommen unpräzise Vertragsformulierungen. Die erschweren es dem Bauherren, dagegen vorzugehen. Knapp ein Drittel aller Zahlungspläne sind laut Studie intransparent. "Verbraucher können nur schwer nachvollziehen, ob die geforderten Zahlungsraten dem tatsächlichen Baufortschritt entsprechen. In 72 Prozent der Fälle übersteigen die Abschlagszahlungen, zumindest einzelner Raten, den Wert der erbrachten Leistung, d.h. sie sind im Verhältnis zum Baufortschritt unverhältnismäßig hoch angesetzt."

Ein Sicherheitspfand für Bauherren ist die Schlussrate. Sie wird nach der Abnahme des Bauwerks fällig. Dazu gehört auch die Beseitigung eventueller Mängel. Doch auch diese Sicherheit geht in vielen Bauverträgen verloren. "Die Schluss-Zahlungsrate liegt bei zwei Drittel der Zahlungspläne bei unter fünf Prozent der Gesamtsumme", erklären die Macher der IFB-Studie. "Dadurch ist die Handlungsfähigkeit des Bauherren gegenüber der Baufirma, z.B. zur Durchsetzung der Mängelbeseitigungen eingeschränkt." Nur gut ein Drittel der Verträge hält sich an die gesetzliche Regelung, dass die Schlussrate mindestens fünf Prozent der Bausumme betragen sollte. Das kommende Bauvertragsrecht verdoppelt diesen Anteil auf zehn Prozent. Bei den vom IFB untersuchten Bauverträgen erfüllten nur drei von hundert Verträgen diese Regelung schon jetzt.


Redaktion: Joachim Hoffmann