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Immobilienexperten fordern Anpassung bei Flüchtlingsverteilung

Das aktuelle Verfahren zur Flüchtlingsverteilung setzt in einigen Ballungsräumen den Wohnungsmarkt zusätzlich unter Druck. Ein Gutachten nennt Maßnahmen, die zur Entlastung führen könnten.

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(München, 11.04.2016) Nach derzeitigen Hochrechnungen dürften bis zum Jahr 2020 rund 1,5 Millionen Menschen nach Deutschland einwandern und dauerhaft bleiben. Die starke Zuwanderung durch Flüchtlinge habe in den vergangenen Monaten den ohnehin schon angespannten Wohnungsmarkt in einigen Ballungsgebieten weiter unter Druck gesetzt, berichtet der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA), der beim Marktforschungsinstitut empirica ein Gutachten zur Entwicklung der Wohnungsmärkte in Auftrag gegeben hat.

Derzeit werden Flüchtlinge nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel auf einzelne Landkreise verteilt. Dieser führt nach Ansicht der Autoren des Gutachtens in einigen Städten und Regionen zu einer Überforderung des Wohnungsmarktes. So müssten in Frankfurt 135 Prozent mehr neue Wohnungen errichtet werden, in Stuttgart liege der erforderliche Zuwachs bei 105 Prozent und in München bei 100 Prozent.

Um die regionalen Wohnungsmärkte zu entlasten, fordert der ZIA die Einführung eines neuen Verteilerschlüssels, der sich an der demographischen Entwicklung in den einzelnen Regionen orientiert. Damit sollen freiwerdende Kapazitäten am Wohnungs- und Arbeitsmarkt besser genutzt werden. Die empirica-Experten skizzieren in ihrem Gutachten, mit welchen Neuregelungen der Zustrom an Einwanderern besser auf die Entwicklung in den Regionen abgestimmt werden kann.

Eine wichtige Maßgabe sei die auf drei Jahre befristete Bindung von Flüchtlingen an eine konkrete Region, sagt Prof. Harald Simons, Mitglied des empirica-Vorstands, und erläutert: "Schrumpfende Regionen, in denen der Arbeitskräftemangel wächst, können dadurch gestärkt werden. Wachsende Regionen, die bereits heute über angespannte Wohnungsmärkte klagen, könnten dadurch vorerst entlastet werden." Um die Integration finanzieren zu können, sollten laut Gutachten schrumpfende Regionen mit höherem Flüchtlingsanteil von den entlasteten Wachstumsregionen einen finanziellen Ausgleich erhalten.


Redaktion: Britta Barlage