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Immobilienkauf: Wohneigentumsquote kommt nicht voran

Der Immobilienkauf ist angesichts niedriger Baugeldzinsen attraktiv - dennoch wohnen mehr als die Hälfte aller Haushalte in Deutschland laut einer neuen Untersuchung zur Miete. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern rangiert Deutschland damit auf den hinteren Plätzen.

Immobilienkauf: Im Vergleich zu anderen Ländern ist die Wohneigentumsquote in Deutschland noch immer relativ gering.

Immobilienkauf: Im Vergleich zu anderen Ländern ist die Wohneigentumsquote in Deutschland noch immer relativ gering.

(München, 19.07.2016) Trotz Niedrigzinsen und Immobilienboom verharrt die Wohneigentumsquote in Deutschland auf einem im internationalen Vergleich niedrigen Niveau. Dies ist das Ergebnis einer von LBS Research und dem Marktforschungsinstitut empirica durchgeführten Analyse. Demnach stagniert der Anteil der Haushalte, die eine selbstgenutzte Eigentumswohnung oder ein Haus besitzen, seit zehn Jahren praktisch unverändert bei rund 43 Prozent - obwohl der Immobilienkauf angesichts niedriger Finanzierungszinsen zunehmend attraktiv ist. Dabei zeigt sich eine gegenläufige Entwicklung in Ost und West: Während in den neuen Bundesländern der Anteil an Wohnungs- und Hauseigentümern seit 2003 um 1,6 Prozentpunkte gestiegen ist, war im gleichen Zeitraum die Eigentümerquote in Westdeutschland leicht rückläufig.

Damit bleibt nach den von LBS Research und empirica ausgewerteten Zahlen Deutschland im europaweiten Vergleich auf dem vorletzten Platz, wenn es ums selbstgenutztes Wohneigentum geht - obwohl der Immobilienkauf durch niedrige Finanzierungszinsen derzeit attraktiv ist. Weiter vorn liegen Spanien, Polen, Italien und Norwegen, wo jeweils mehr als drei Viertel der Haushalte in den eigenen vier Wänden leben. Lediglich in der benachbarten Schweiz ist die Wohneigentumsquote mit 38 Prozent noch niedriger als in Deutschland.

Was die Gründe für die traditionell niedrige Eigentumsquote in Deutschland sein könnten, hat das Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung versucht herauszufinden. Dazu wurde die historische Entwicklung in Deutschland mit derjenigen in der USA verglichen, wo schon seit langem ein vergleichsweise hoher Prozentsatz der Bevölkerung ein Eigenheim besitzt. Während in den USA schon seit den 1930er-Jahren der Immobilienkauf und das Wohneigentum mit staatlich vergünstigten Finanzierungsmodellen gefördert werden, unterstütze Deutschland eher den mietlastigen sozialen Wohnungsbau und Neubauten privater Vermieter, schreibt Volkswirt Sebastian Kohl in seiner Analyse für das Max-Planck-Institut. Auch der einfachere Zugang zu Bauland in der USA sowie der hohe Anteil an preisgünstigen und standardisierten Leichtbau-Fertighäusern habe im Lauf der Jahrzehnte dort das Entstehen von Wohneigentum begünstigt.


Redaktion: Thomas Hammer