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Immobilienmarkt: Arbeitsweg beeinflusst Kaufentscheidung

Am Immobilienmarkt entscheidet oft die Lage: Viele berufstätige Immobilieninteressenten wünschen sich ein Haus im Grünen mit kurzem Anfahrtsweg zum Arbeitsplatz, zeigen aktuelle Studien.

Die Länge des Arbeitsweges ist für viele ein wichtiges Kriterium beim Immobilienkauf.

Die Länge des Arbeitsweges ist für viele ein wichtiges Kriterium beim Immobilienkauf.

(München, 14.07.2016) Ein Haus im Grünen mit kurzem Anfahrtsweg zum Arbeitsplatz: Das ist für viele ein Wunschtraum, der unerfüllt bleibt, denn in den umkämpften Immobilienmärkten der Großstädte sind Häuser mit Garten überaus teuer und knapp. Eine aktuelle Umfrage von ImmobilienScout24 und Interhyp unter gut 2.200 Immobilieninteressenten befasst sich mit der Frage, wie groß die Kompromissbereitschaft von Immobilieninteressenten ist, wenn es um die Wahl zwischen einem erschwinglichen Eigenheim im Grünen und der möglichst kurzen täglichen Anfahrtszeit zum Arbeitsplatz geht.

Auf dem Immobilienmarkt ist die Lage entscheidend - und hier zeigt sich eine klare Präferenz: Neun von zehn Befragten sucht bevorzugt ein Objekt in der Stadt oder in Stadtnähe. Für knapp zwei Drittel ist die Entfernung zum Arbeitsort ein wichtiges Auswahlkriterium. Nur jeder zehnte Befragte findet einen Arbeitsweg von bis zu 60 Minuten pro Strecke in Ordnung. Nur rund zwei Prozent der Befragten würden einen Arbeitsweg von 90 Minuten bis zu zwei Stunden akzeptieren. Wer lange Pendlerstrecken in Kauf nimmt, legt mehr Wert auf Lebensqualität als auf den Kaufpreis: Nur etwa jeder vierte Befragte nennt einen günstigen Immobilienpreis als Grund für die Bereitschaft, mehr als 60 Minuten zur Arbeit zu fahren, während für fast 42 Prozent der Umfrageteilnehmer die Immobilie im Grünen wichtiger ist als der kurze Weg.

Der Kompromiss zwischen einem bezahlbaren Eigenheim mit Garten und nicht allzu langen Pendlerstrecken führt viele Kaufinteressenten in die Speckgürtel der Großstädte. Diesen Trend bestätigt eine Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zum Immobilienmarkt in Städten und großstadtnahen Regionen. In vielen großstadtnahen Kreisen war im vergangenen Jahr die Zunahme an neu erteilten Baugenehmigungen höher als in den Großstädten selbst. "Angesichts der hohen Preise in den Kernstädten suchen sich immer mehr Bauherren bezahlbarere Alternativen im Umland", sagt BBSR-Direktor Harald Herrmann.

Unterdessen steigt der Zeitaufwand, den Arbeitnehmer für den Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstelle einplanen müssen, berichtet der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in einer Studie zur Mobilität in der Arbeitswelt. "Immer mehr Pendler, immer größere Distanzen", betitelt der DGB seine Publikation. Allerdings sei der Trend zum längeren Weg an den Arbeitsplatz nicht immer dem fehlenden Angebot an preiswertem Wohnraum geschuldet, berichten die Autoren der Studie. Auch der Verlust des sozialen Umfelds oder die Befürchtung, dass der Lebenspartner am neuen Wohnort keine adäquate Arbeit finden könne, seien häufig vorzufindende Beweggründe dafür, dass ein hoher Zeitaufwand beim Pendeln in Kauf genommen werde.


Redaktion: Thomas Hammer