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Immobilienpreise: Experten sehen Preisübertreibungen in Großstädten

In ihrem aktuellen Monatsbericht macht die Bundesbank auf Preisübertreibungen an städtischen Immobilienmärkten aufmerksam. Doch drastische Korrekturen bei den Immobilienpreisen sehen Experten vorerst nicht.

Immobilienpreise in Großstädten: Starke Preissteigerungen

Immobilienpreise in Großstädten: Starke Preissteigerungen

(München, 22.02.2017) Immobilienpreise stehen angesichts hoher Kaufpreise derzeit im Fokus: In ihrem aktuellen Monatsbericht widmet sich die Bundesbank der Preisentwicklung am Wohnimmobilienmarkt. In den Städten sei ein überproportionaler Auftrieb der Immobilienpreise zu beobachten, der sich zuletzt noch beschleunigt habe, schreiben die Bundesbank-Analysten. So sei dort der Preis für Wohneigentum im vergangenen Jahr um 8 Prozent gestiegen, während von 2010 bis 2015 die durchschnittliche jährliche Preissteigerung 6,75 Prozent betragen habe.

Damit sei der Preiszuwachs insbesondere in Großstädten höher, als es die Fundamentaldaten in Form der Bevölkerungsentwicklung und der regionalen wirtschaftlichen Entwicklung rechtfertigen würden. Festzustellen sei daher eine Preisübertreibung, die je nach Stadt zwischen 15 und 30 Prozent ausmache.

Gleichwohl sieht die Bundesbank derzeit nicht allzu viel Grund zur Besorgnis. Zwar seien die Immobilienpreise in den vergangenen drei Jahren stärker gestiegen als das durchschnittliche Haushaltseinkommen. Doch auf der anderen Seite profitieren Käufer von den außerordentlich günstigen Finanzierungskonditionen, die sich im vergangenen Jahr noch weiter verbilligt haben. Die anhaltend kräftige Wohnraumnachfrage stehe nach wie vor weitgehend im Einklang mit den guten Einkommensaussichten der privaten Haushalte und den günstigen Arbeitsmarktbedingungen.

Ob es Korrekturen der Immobilienpreise geben kann, darüber diskutieren Experten derzeit. So hat der Zentrale Immobilienausschuss ZIA gerade ein mögliches Ende des rasanten Preisanstiegs in einigen Metropolen vorausgesagt. Demnach sei "in Berlin sicherlich, in München wahrscheinlich und in Hamburg und Frankfurt möglicherweise mit einem Trendbruch bei den Kaufpreisen zu rechnen". Peter Ache, Geschäftsstellenleiter des Arbeitskreises der Gutachterausschüsse, geht allerdings aktuell von einer anhaltend hohen Nachfrage aus. Auch ein leichter Zinsanstieg würde die hohe Nachfrage nach Häusern und Wohnungen kaum dämpfen.

Chefvolkswirt Stefan Bielmeier von der DZ Bank berichtete kürzlich in seinem Blog, dass die preistreibenden Faktoren in der Summe ihren Zenit überschritten haben dürften. Das Umfeld für die Immobiliennachfrage bleibe zwar günstig, aber es verbessere sich nicht mehr. Grundsätzlich sei ein Nachlassen der insgesamt hohen Preisdynamik zu begrüßen. Das dämpfe die Gefahr, dass aus den bereits bestehenden lokalen Preisübertreibungen eine flächendeckende Immobilienblase entstehe. Für das laufende Jahr sei eine Verlangsamung des Preisauftriebs, aber kein kräftiges Abbremsen zu erwarten.


Redaktion: Thomas Hammer / Britta Barlage