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Immobilienpreise steigen stürmisch

Die seit 2010 anhaltend steigenden Immobilienpreise haben nach Untersuchungen des Immobilienverbands Deutschland (IVD) in diesem Jahr an Tempo gewonnen. Insbesondere in den deutschen Großstädten registrieren die Experten eine deutlich stärkere Steigerung der Immobilienpreise als in den vergangenen Jahren.

In München sind nach wie vor die durchschnittlich höchsten Immobilienpreise für Eigentumswohnungen zu verorten.

In München sind laut IVD nach wie vor die durchschnittlich höchsten Immobilienpreise für Eigentumswohnungen zu verorten.

(München, 31.10.2016) Vor allem die Kaufpreise für gebrauchte Immobilien sind erheblich gestiegen. In den 14 deutschen Metropolen mit mehr als 500.000 Einwohnern sind Bestandswohnungen mit mittlerem Wohnwert nach den Berechnungen des IVD im Schnitt 9,42 Prozent teurer als im Vorjahr (Steigerung 2015: 7,5 Prozent). Im Segment guter Wohnwert waren Steigerungen der Immobilienpreise von 11,6 Prozent zu verzeichnen (2015: 6,6 Prozent). Das geht aus dem aktuellen IVD-Preisspiegel Wohneigentum hervor, der die Entwicklung der Wohneigentumsmärkte in rund 370 Städten der Bundesrepublik erfasst.

Auch die zweite Liga der Großstädte (250.000 bis 500.000 Einwohner) wird jetzt verstärkt von einem Auftrieb der Immobilienpreise erfasst. Für Bestandsimmobilien mit mittlerem Wohnwert sind 2016 rund 8,6 Prozent mehr zu bezahlen als im Jahr 2015. Auf ganz Deutschland bezogen sind die Preise für Eigentumswohnungen im Bestand mit mittlerem Wohnwert 2016 um gut 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr angestiegen (2015 knapp 5 Prozent).

Im Segment der Neubauwohnungen verzeichnen die IVD-Experten mit sechs Prozent den gleichen Anstieg der Immobilienpreise wie 2015. Doch ergibt sich je nach Städtegröße ein differenziertes Bild: Während sich in Kleinstädten von 30.000 bis 50.000 Einwohnern die Teuerung von 7,1 auf 5,54 Prozent verlangsamte, waren "die Preissteigerungen insbesondere in den Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern mit 7,6 Prozent auf einem ungebrochen hohen Niveau". In Städten mit 250.000 bis 500.000 Einwohnern sei der Preisanstieg sogar von 5 Prozent im Vorjahr auf aktuell 7,5 Prozent geklettert.

Am höchsten sind die Sprünge der Immobilienpreise für Eigentumswohnungen im Bestand mit mittlerem Wohnwert in Frankfurt/Main mit knapp 19 Prozent (auf durchschnittlich 2.200 Euro pro Quadratmeter). Die höchsten absoluten Durchschnittspreise finden sich nach wie vor in München mit 4.200 Euro pro Quadratmeter und einem Anstieg der Immobilienpreise von 7,7 Prozent in diesem Segment.

Die starke Preisdynamik ist laut IVD auf die Wohnraumknappheit zurückzuführen. "Immer mehr Menschen zieht es in die Metropolen. Trotz allgemein gestiegener Bauaktivitäten gibt es eine ausgeprägte Unterversorgung im Angebot - bei immer größer werdender Nachfrage", betont Jürgen Michael Schick, Präsident des IVD. Die Politik habe viel zu spät auf die sich andeutende Wohnraumknappheit reagiert. Deshalb fordert der Verband eine stärkere staatliche Förderung von Wohneigentum. Der Nachfragedruck werde anhalten, da die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank andere Anlageformen unattraktiv mache. Positiv vermerkt der IVD, dass trotz der gestiegenen Preise für Immobilien Einfamilienhäuser "noch nie so erschwinglich" waren wie heute. Das geht aus dem IVD-Erschwinglichkeitsindex hervor, der sich aus den Faktoren Immobilienpreise, Löhne sowie Zinsniveau zusammensetzt. Die kräftigen Lohnzuwächse und das sehr niedrige Zinsniveau glichen die Preissteigerungen mehr als aus.

Dass der Immobilienboom und die steigenden Immobilienpreise sich fortsetzen werden, davon geht auch die Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht (Oktober 2016) aus. Darin verweisen die Banker auf Umfrageergebnisse des ifo-Instituts, "nach denen sich die Geschäftslage im Bauhauptgewerbe im dritten Vierteljahr auf einem langjährigen Höchststand befand und auch die Geschäftserwartungen sehr positiv eingeschätzt wurden." Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes stützen diesen Befund. Demnach sind die Preise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude in Deutschland im August 2016 gegenüber August 2015 um 2,1 Prozent gestiegen. Bei Gas-, Wasser- und Entwässerungsanlagen (jeweils plus 3,1 Prozent) sowie Wärmedämm-Verbundsystemen (plus 3,0 Prozent) erhöhten sich die Neubaupreise ebenso überdurchschnittlich wie bei Heizanlagen und Anlagen zur zentralen Wassererwärmung mit 2,7 Prozent und Ausbauarbeiten mit 2,4 Prozent. Einen langsameren Preisanstieg melden die Bundesstatistiker hingegen bei Beton- und Mauerarbeiten mit 1,9 Prozent beziehungsweise 1,3 Prozent. Die Preise für Instandhaltungsarbeiten an Wohngebäuden (ohne Schönheitsreparaturen) nahmen laut Statistik gegenüber dem Vorjahr um 2,4 Prozent zu.


Redaktion: Joachim Hoffmann