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Indirekte Tilgung macht bei Hypotheken-Darlehen wenig Sinn

Selten waren Hypotheken-Darlehen so billig wie in diesen Tagen. Je nach Dauer der Zinsbindung können die Zinsen deutlich unter 4 Prozent liegen. Manche Bauherren überlegen sich daher, ob es lohnenswert sein könnte, das Hypotheken-Darlehen über eine kapitalbildende Lebensversicherung oder über einen Fonds-Sparvertrag zu tilgen.

Das Kalkül dabei ist, dass diese Form der indirekten Tilgung lukrativer ist als die direkte Tilgung, wenn die Renditen aus dem Versicherung- oder Fondssparplan höher sind als die Zinsen für das Hypotheken-Darlehen. Doch die Risiken sind weitaus höher als die Einsparmöglichkeiten, so dass trotz verlockender Hochrechnungen weder die kapitalbildende Lebensversicherung noch der Fonds-Sparvertrag für die Tilgung des Hypotheken-Darlehens taugt.

So weisen derzeit zwar etliche Lebensversicherer Nettoverzinsungen von mehr als 4 Prozent aus. Doch dies entspricht nicht der Rendite, die tatsächlich beim Sparer ankommt. Denn: Die Nettoverzinsung bezieht sich auf das Gesamtkapital des Versicherers, von dem dann noch die Verwaltungskosten und Todesfallprämien abgezogen werden. Damit liegt die Rendite auf die Sparraten weit niedriger als die Nettoverzinsung. Dazu kommt, dass die Verzinsung von Versicherungssparverträgen jährlichen Schwankungen unterworfen ist. Sicher ist nur der Garantiezins - und dieser liegt derzeit gerade mal bei 2,25 Prozent. Auch dieser Zins bezieht sich auf die Nettoverzinsung und nicht auf die Rendite der Sparraten.

Noch höher ist das Risiko bei Fondssparplänen. Sie werden häufig mit dem Argument verkauft, dass das Wertpapiersparen auf lange Sicht 6 Prozent oder noch mehr Rendite bringen kann. Allerdings gibt es auch hier keine Gewähr, und im Gegensatz zum Versicherungssparen bieten Investmentfonds weder Garantiezins noch Kapitalschutz. Wenn die Aktien in den Keller rauschen, dann schmilzt das Kapital des Sparers dahin wie Butter in der Sonne.

Dazu kommt noch die steuerliche Komponente: Bei Versicherungssparplänen unterliegen die Gewinne in der Regel zur Hälfte der Einkommensteuer, so dass bei einem Einkommensteuersatz von 30 Prozent gleich 15 Prozent des Gesamtgewinns ans Finanzamt überwiesen werden. Beim Fondssparen wird bei der Auszahlung des Guthabens Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und eventuell noch Kirchensteuer von sämtlichen Gewinnen und Erträgen einbehalten. Lediglich 801 Euro Kapitalertrag pro Anleger bleiben steuerfrei.

Fazit: Angesichts der Risiken und der steuerlichen Belastung der Erträge ist davon abzuraten, ein Hypotheken-Darlehen ohne Tilgung aufzunehmen und die Schulden erst nach Jahren über eine kapitalbildende Lebensversicherung oder einen Fonds-Sparvertrag abzulösen. Wenn sich die Hochrechnungen am Ende als zu optimistisch erweisen, bleibt der Häuslebauer letztlich auf einem Schuldenberg sitzen.

Redaktion: Britta Barlage

Interhyp AG, 06.10.2011