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Intelligente Stromzähler umstritten

Nach den Plänen der Bundesregierung soll die Einführung intelligenter Stromzähler - auch "Smart Meter" genannt - in Zukunft Pflicht werden. Verbraucherzentralen bemängeln, intelligente Stromzähler bedeuteten für Kunden mehr Kosten als Nutzen und kritisieren die Erfassung sensibler Verbrauchsdaten. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund hingegen begrüßt die Einführung von Smart Metern als Schritt zu höherer Energieeffizienz.

Stromzähler sollen zukünftig eingeführt werden

(München, 12.01.2016) Mit intelligenten Stromzählern sollen Verbraucher dazu gebracht werden, bewusster und sparsamer mit Energie umzugehen. Außerdem erhoffen sich Energieversorger, den zu erwartenden Verbrauch besser planen und Verbrauchsspitzen besser abfangen zu können. Das Bundeskabinett hat beschlossen, Smart Meter schrittweise einzuführen, ein entsprechendes Gesetz wird vorbereitet. Ab 2017 sollen Großverbraucher und Erzeuger ab sieben Kilowatt installierter Leistung ein intelligentes Messsystem bekommen. Private Haushalte folgen ab 2020 bei einem Stromverbrauch von über 6.000 Kilowattstunden. Wer weniger verbraucht, soll intelligente Stromzähler nur auf freiwilliger Basis installieren - mit "äußerst strengen Preisobergrenzen", wie das Ministerium betont. Zum Vergleich: Den Strombedarf eines Durchschnittshaushaltes gibt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) rund 3.500 Kilowattstunden pro Jahr.

Das Gesetz sorge dafür, dass der Nutzen für die Stromverbraucher die Kosten überwiege, betont das Minsterium. Dem widerspricht der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) vehement. "Hightech in den Kellern bringt den Verbrauchern kaum Mehrwert, dafür aber dauerhafte Kosten", sagt vzbv-Vorstand Klaus Müller. Verbraucher hätten mit jährlichen Kosten von bis zu 100 Euro zu rechnen. Zudem bemängeln die Verbraucherschützer das Sammeln von Daten via Smart Meter. "Es ist ein Novum, dass Verbraucher zur Preisgabe von Daten quasi gezwungen werden und dem nicht widersprechen können", kritisiert Müller. "Die Zwangsdigitalisierung durch die Kellertür ist der falsche Weg", so Müller weiter.

Im Gegensatz dazu sieht der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) die Einführung von intelligenten Stromzählern als "unverzichtbaren Baustein der Energiewende". Verbraucher erhielten eine präzise Darstellung ihres Verbrauchsverhaltens. Dies motiviere sie zu energiesparendem Verhalten. Zum anderen könnten Verbraucher Stromlieferverträge abschließen, die besser zu ihrem individuellen Verbrauchsverhalten passten. Die Datenschutzrichtlinien des BMWi reichen laut Städte- und Gemeindebund aus. Der Verbraucher habe es selbst in der Hand, welche Daten an Dritte kommuniziert würden. "Wer die Energiewende will, sollte nicht immer wieder durch neue Bedenken den notwendigen Fortschritt aufhalten und damit das Ende des ganzen Projektes in Frage stellen oder die Umsetzung zumindest verzögern", heißt es in der Pressemitteilung des DStGB.


Redaktion: Patrizia Difonzo