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Kritik am geplanten Baukindergeld

Im Koalitionsvertrag haben sich Unionsparteien und Sozialdemokraten auf die Einführung eines Baukindergeldes geeinigt. Doch Immobilien- und Steuerexperten halten das Vorhaben für wenig wirkungsvoll.

Baukindergeld stößt bei Experten auf Kritik.

Baukindergeld stößt bei Experten auf Kritik.

(München, 19.04.2018) Angesichts hoher Immobilienpreise will die Bundesregierung Familien beim Weg in die eigenen vier Wände finanziell unter die Arme greifen. Vorgesehen ist laut Koalitionsvertrag die Einführung eines Baukindergeldes, das beim Erwerb eines selbstgenutzten Eigenheims zehn Jahre lang pro Kind eine jährliche Förderung von 1.200 Euro gewährt. Voraussetzung ist, dass das zu versteuernde Jahreseinkommen die Grenze von 75.000 Euro plus weitere 15.000 Euro pro Kind nicht übersteigt.

Doch die geplante Subventionierung beim Erwerb eines Eigenheims stößt bei etlichen Immobilienexperten auf Kritik. So hat das Pestel-Institut im Auftrag von Immobilienverbänden Kosten und Nutzen des Baukindergelds beleuchtet. "Es kostet vier Milliarden Euro staatliche Förderung pro Jahr. Trotzdem wird das Baukindergeld allein zu keiner spürbaren Steigerung der Wohneigentumsquote führen. Dabei liegt diese in Deutschland bei lediglich 45 Prozent und damit im Europa-Vergleich ganz hinten", sagt der Leiter des Pestel-Instituts, Matthias Günther. Vor allem aber verschenke eine "Nur-Baukindergeld-Politik" für weite Teile der Bevölkerung die Möglichkeit einer verlässlichen Alterssicherung durch selbst genutztes Wohneigentum.

Auch das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kritisiert das Baukindergeld. Neben den hohen Gesamtkosten sei die ungleiche Verteilung der Effekte problematisch, warnt das IW: Während in ländlichen Gebieten aufgrund der niedrigen Immobilienpreise die Förderung einen vergleichsweise hohen Anteil an der Gesamtinvestition ausmache, werde das Baukindergeld Erwerber in hochpreisigen Ballungsräumen nur wenig entlasten.

Darüber hinaus halten es die IW-Experten für möglich, dass das Baukindergeld letztlich zu weiter steigenden Immobilienpreisen führt, weil Bauträger und Verkäufer die Förderung in ihre Verkaufspreise mit einrechnen. Diese Befürchtung teilt auch der Eigentümerverband Haus und Grund in Frankfurt. Dann zahlen kinderlose Paare sowie Paare, deren Kinder nicht mehr im Haushalt leben, das eingepreiste Baukindergeld mit, so der Frankfurter Verband in einer Stellungnahme.

Auch der Bund der Steuerzahler hält wenig von der geplanten Förderung und rechnet vor: Wenn bei einem Immobilienkaufpreis der Grunderwerbsteuersatz 6,0 Prozent betrage, müssten Familien mit einem Kind bei einem Kaufpreis von 300.000 Euro allein schon 18.000 Euro für die Grunderwerbsteuer bezahlen, während sich das Baukindergeld auf insgesamt nur 12.000 Euro belaufe. Damit verpuffe die Förderung, sagt Steuerzahler-Präsident Reiner Holznagel und ergänzt: "Man hätte den Familien viel mehr helfen können, wenn die Grunderwerbsteuer herabgesenkt würde."


Redaktion: Thomas Hammer

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