News

Mecklenburg-Vorpommern dreht an der Grunderwerbsteuerschraube

Die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern belastet Immobilienerwerber zugunsten von Immobilienbesitzern. Um die Abschaffung der Straßenausbaugebühr für Anlieger zu finanzieren, erhöht das nordöstliche Bundesland die Grunderwerbsteuer ab 1. Juli 2019 von fünf auf sechs Prozent.

Die Grunderwerbsteuer in Mecklenburg-Vorpommern wird zum 1. Juli auf sechs Prozent erhöht.

Die Grunderwerbsteuer in Mecklenburg-Vorpommern wird zum 1. Juli auf sechs Prozent erhöht.

(München, 27.06.2019) Der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern hat mit Wirkung zum 1.7.2019 die Erhöhung der Grunderwerbsteuer von fünf auf sechs Prozent des Kaufpreises beschlossen. Das Bundesland will so die Finanzierungslücke schließen, die sonst durch ein anderes neues Gesetz entstünde: Wenn eine Gemeinde in Mecklenburg-Vorpommern Straßen erneuerte, konnte sie bislang die Kosten umlegen und die Anlieger zur Kasse bitten. Diese Straßenausbaugebühr wurde nun abgeschafft. Die dadurch den Kommunen fehlenden ca. 30 Millionen Euro schießt künftig das Land zu - mit den Einnahmen durch die höhere Grunderwerbsteuer. Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel Brandenburg: Hier wurde die Straßenausbaugebühr kürzlich ebenfalls abgeschafft - ohne Erhöhung der Grunderwerbsteuer.

Seit die Zuständigkeit für die Grunderwerbsteuer vom Bund auf die Länder übergegangen ist, haben 14 von 16 Ländern kräftig an der Steuerschraube gedreht. Bis zu 6,5 Prozent müssen Immobilienerwerber dem Finanzamt überweisen - bei bebauten Grundstücken auf Boden und Gebäude. Lediglich Bayern und Sachsen haben den Steuersatz bei 3,5 Prozent belassen. Die Grunderwerbsteuer gilt als einer der Hauptpreistreiber beim Immobilienerwerb. Politische Überlegungen zur Senkung oder zur Einräumung eines Freibetrages haben bislang zu keinem Ergebnis geführt.

Laut dem Baufinanzierungsvermittler Interhyp entstehen durch immer höhere Kaufnebenkosten Mehrkosten, die Immobilienkäufer bei der Finanzierung einkalkulieren und in aller Regel durch Eigenkapital abdecken müssten. "Angesichts steigender Immobilienpreise werden die Käufer durch die prozentuale Berechnung der Nebenkosten ohnehin bereits stärker belastet", sagt Mirjam Mohr, Vorständin für das Privatkundengeschäft bei Interhyp. "Mit der Grunderwerbsteuer wird den Käufern tief in die Tasche gegriffen – zumal die meisten Käufer die Nebenkosten durch Eigenkapital stemmen sollten und müssen." Laut Interhyp verlangen die meisten Banken, dass mindestens die Kaufnebenkosten durch Eigenkapital gedeckt sind. "Wir raten Käufern, die Nebenkosten zu decken und darüber hinaus noch mindestens etwa zwanzig Prozent mehr Eigenkapital einzubringen, weil die Banken dann bessere Zinsen bieten."

Nicht nur die Grunderwerbsteuer, auch die Straßenausbaugebühr, die Anliegern Bescheide in fünfstelliger Höhe bescheren kann, ist seit langem umstritten. Der Verband Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) hat deshalb Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Eine Entscheidung steht noch aus.

Tipp: Eine aktuelle und nach Bundesländern aufgeschlüsselte Übersicht über die einzukalkulierenden Nebenkosten bietet Interhyp hier.

Damit Käufer und Bauherren einen guten Überblick über die Kaufnebenkosten erhalten, stellt Interhyp eine Deutschlandkarte bereit.

Grunderwerbsteuer & Co: Kaufnebenkosten in Deutschland


Redaktion: Joachim Hoffmann/Britta Barlage