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Modernisierung: Energieeinsparung reicht noch nicht

Bei der Reduzierung des häuslichen Energieverbrauchs sind zwar Fortschritte zu verzeichnen, diese reichen aber noch nicht aus, um die Klimaziele der Bundesregierung zu erreichen. Das zeigt der neue Wärmemonitor des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.

Thermostat

(München, 26.11.2015) Zwar ist der Heizenergiebedarf in deutschen Mehrfamilienhäusern im Jahr 2014 gegenüber dem Vorjahr um 2,7 Prozent zurückgegangen, doch wird diese erfreuliche Bilanz getrübt von der Erkenntnis, dass die Sanierungszyklen von Wohngebäuden 75 Jahre statt wie bisher geschätzt 55 Jahre betragen. Zu diesem Ergebnis kommt der "Wärmemonitor Deutschland 2014", der jetzt vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) gemeinsam mit dem Energiedienstleister ista Deutschland GmbH erarbeitet und vorgestellt wurde. Das bedeutet, dass die im Gebäudebestand schlummernden riesigen Energieeinsparpotenziale langsamer als erhofft erschlossen werden. "Der Wärmemonitor 2014 zeigt zwar deutliche Fortschritte beim Energiebedarf, gemessen an den politischen Zielen der Bundesregierung dürften sie jedoch nach wie vor nicht ausreichen", sagt DIW-Energieexperte Claus Michelsen. Damit die Bundesregierung die Ziele in der Gebäudesanierung umsetzen kann, bietet die staatliche Förderbank KfW Förderprogramme zur Energieeffizienz an, etwa zinsgünstige Immobilienkredite beim Neubau oder bei der Modernisierung über die KfW-Darlehen "Energieeffizient Bauen" oder "Energieeffizient Sanieren".

Bedingt durch die umfangreichen Sanierungen in der Nachwendezeit besaßen die neuen Bundesländer lange Zeit einen Vorsprung bei der Energieeffizienz von Bestandsgebäuden. Aufgrund der dynamischen Entwicklung der letzten Jahre vor allem in Westdeutschland haben die alten Länder aber aufgeholt. "Während im Jahr 2003 der durchschnittliche Energiebedarf in Westdeutschland mit 152 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter Wohnfläche deutlich höher war als mit 133 Kilowattstunden in Ostdeutschland, kann für die abgelaufene Heizperiode kaum noch ein Unterschied festgestellt werden", so die Experten von DIW und ista. Im Westen betrug der Wert 2014 121 Kilowattstunden, im Osten 120,5 Kilowattstunden.

Erfreulich für Verbraucher: Noch stärker als beim Heizenergiebedarf ist der Rückgang - vor allem aufgrund der niedrigen Preise für Öl und Gas - bei den Heizkosten. Diese sind im Jahr 2014 laut Wärmemonitor deutschlandweit im Schnitt von 11,14 auf 9,85 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche gesunken, das entspricht einem Rückgang von knapp 12 Prozent gegenüber dem Jahr 2013. Der Heizenergiebedarf ist der um witterungsbedingte und klimatische Einflüsse bereinigte Heizenergieverbrauch; die Auswirkungen des milden Winters sind also in den oben erwähnten Daten bereits berücksichtigt.

Die relativ langsamen Fortschritte beim häuslichen Energieverbrauch spiegeln sich auch in der unterschiedlichen Entwicklung der erneuerbaren Energien bei Strom und Wärme wider. In diesem Jahr werden etwa 33 Prozent des Bruttostromverbrauchs in Deutschland aus regenerativen Quellen gedeckt. Zu diesem Ergebnis kommen das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in einer ersten Schätzung. Der Anteil der erneuerbaren Energien bei der Wärme beträgt nach Angaben des Umweltbundesamtes hingegen nur etwa zehn Prozent.


Redaktion: Patrizia Difonzo