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Neubau: Baugenehmigungen reichen nicht aus

Mehr Neubau wäre nötig: Trotz deutlich gestiegener Baugenehmigungen in den ersten fünf Monaten dieses Jahres ist kein Ende des Wohnraummangels in Sicht. Für jüngere Bevölkerungsgruppen unter 50 Jahre wird es immer schwieriger, Wohneigentum zu bilden.

Trotz mehr Baugenehmigungen herrscht weiterhin Wohnungsmangel.

Mehr Baugenehmigungen - trotzdem herrscht weiterhin Wohnungsmangel.

(München, 25.07.2016) Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zum Neubau in Deutschland können sich sehen lassen: Im Zeitraum Januar bis Mai 2016 wurden fast 34.800 mehr Baugenehmigungen für Wohnungen erteilt als in den ersten fünf Monaten 2015. Das bedeutet eine Zunahme von 30,6 Prozent auf rund 148.400 Wohnungen. "Eine höhere Zahl hatte es in den ersten fünf Monaten eines Jahres zuletzt im Jahr 2000 gegeben (154.700)", erklären die Statistiker hierzu. Der Neubau legt sehr stark zu. Mit 125.200 Genehmigungen wurde das Vorjahresergebnis um 28.350 Einheiten (28,7 Prozent) übertroffen.

Eine Aufschlüsselung nach Wohnungsarten zeigt, dass alle Neubau-Kategorien zulegen konnten: Mehrfamilienhäuser (plus 26,5 Prozent), Zweifamilienhäuser (plus 21,6 Prozent) und Einfamilienhäuser (plus 15,8 Prozent). Auch die Flüchtlingskrise hinterlässt in der Statistik deutliche Spuren. Denn die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen in Wohnheimen hat sich mehr als verdreifacht auf rund 10.300 Einheiten. Im Bereich Renovierung und Sanierung ist eine vergleichsweise geringere Bautätigkeit festzustellen, allerdings auch eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Hier erreichte die Zahl der Genehmigungen im Beobachtungszeitraum 2016 laut Statistischem Bundesamt "den höchsten Wert seit 1998" mit 21.300 Wohnungen (2015: 14.800 Wohnungen).

Experten werden nicht müde zu betonen, dass die Bautätigkeit bei weitem nicht ausreicht, um den angespannten Immobilienmarkt zu entlasten. Auch der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW fordert mehr politisches Engagement und eine "schlüssige Neubaustrategie". GdW-Präsident Axel Gedaschko nennt den Bau bezahlbarer Mietwohnungen in den Ballungsräumen als wichtiges Ziel. Trotz der Dynamik am Wohnungsmarkt und des günstigen Zinsumfelds würden derzeit immer noch nicht genug neue bezahlbare Wohnungen gebaut. Gedaschko betreibt Ursachenforschung. "Die großen Hemmschuhe sind hier fehlendes oder zu teures Bauland, extrem hohe Baustandards, Steuern und Auflagen sowie das negative Neubauklima. Nur wenn Bund, Länder und Kommunen hier an einem Strang ziehen, kann es beim bezahlbaren Neubau aufwärtsgehen", sagt der GdW-Präsident.

Die angespannte Lage am Immobilienmarkt macht es vor allem für jüngere Interessenten immer schwieriger, zu Wohneigentum zu kommen. Das hat eine Sonderauswertung der aktuellen Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamtes durch das Immobilienforschungsinstitut empirica in Zusammenarbeit mit LBS Research ergeben. "Trotz der seit einigen Jahren günstigen Rahmenbedingungen für den Erwerb von selbstgenutztem Wohneigentum, insbesondere den niedrigen Zinsen und der guten Beschäftigungslage, stagniert der Anteil der Haushalte, der in den eigenen vier Wänden wohnt, seit über zehn Jahren bei rund 43 Prozent", fassen die Forscher die Studienergebnisse zusammen.

Während sich die Wohneigentumsquote seit 2003 in Ostdeutschland verbesserte, war sie im Westen für den gleichen Zeitraum leicht rückläufig. Besonderes Augenmerk richtet die Studie auf eine Altersverschiebung in der Eigentümerstruktur. Die Wohneigentumsquote werde mehr und mehr getragen von älteren Haushalten mit Lebensaltern über 50 Jahre, bei jüngeren Jahrgängen sei die Wohneigentumsbildung im Vergleich zu früheren Jahren rückläufig. Das gelte für das gesamte Bundesgebiet.


Redaktion: Joachim Hoffmann