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Passivhäuser: Hohe Mehrkosten

Passivhäuser sind aus energetischer Sicht optimal, weil sie keine Heizenergie verbrauchen. Allerdings sind die Mehrkosten für den Bau oft höher als die Einsparungen bei den Heizkosten. Das ist das Zwischenfazit eines Modellprojektes in Wiesbaden.

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(München, 21.10.2015) Passivhäuser sind das Nonplusultra in Sachen Energieeinsparung: Weil sie optimal gedämmt sind, über ein ausgefeiltes Belüftungssystem verfügen und einen großen Teil der Abwärme wieder zurückgewinnen, verbrauchen sie praktisch keine Energie für die Heizung. Die Erwärmung der Wohnräume wird dabei fast ausschließlich aus thermischer Solarenergie bestritten. Aufgrund der aufwändigen Dämmung und der zusätzlichen Haustechnik für Wärmerückgewinnung und Lüftungsmanagement ist jedoch der Bau von Passivhäusern mit höheren Kosten verbunden als die Errichtung von herkömmlichen energiesparenden Wohnhäusern.

In einem Modellprojekt untersucht die Wiesbadener Wohnbaugesellschaft GWW derzeit, ob die eingesparten Heizkosten beim Passivhaus im Lauf der Zeit die Mehrkosten beim Bauen übersteigen. Als Vergleichsmaßstab dienen neu errichtete Wohnhäuser, von denen ein Teil der aktuellen Energieeinsparverordnung (EnEV) entspricht und ein Teil den Energieverbrauchsstandard "KfW 55" erreicht - deren Verbrauch also nur 55 Prozent des von der EnEV festgelegten Maximalwertes entspricht.

Eine aktuelle Zwischenbilanz zeigt dabei, dass das Passivhaus unter rein finanziellen Gesichtspunkten offenbar wenig Vorteile bringt. "Den höheren Baukosten, die für ein Passivhaus aufgewendet werden müssen, stehen bislang kaum messbare Einsparungen bei den Betriebskosten gegenüber", fasst GWW-Geschäftsführer Hermann Kremer die Ergebnisse zusammen. Den Einsparungen bei den Energieträgern für die Heizung steht ein höherer Stromverbrauch gegenüber, der aus dem Betrieb des Lüftungs- und Wärmerückgewinnungssystems resultiert.

Die Baukosten lagen bei den Passivhäusern des Projektes um rund 250 Euro pro Quadratmeter höher als bei der herkömmlichen Bauweise. Deutlich geringer fielen die Mehrkosten bei den Häusern nach dem Standard "KfW 55" aus: Hier lagen die zusätzlichen Aufwendungen nur bei knapp 40 Euro pro Quadratmeter.

Nicht berücksichtigt wurden in der Untersuchung finanzielle Vorteile, die sich aus Zinsvergünstigungen bei KfW-Förderkrediten ergeben können. So gewährt die staatliche Förderbank Kredite in Höhe von maximal 50.000 Euro pro Wohneinheit zum effektiven Zinssatz von 0,75 Prozent, wenn das neu errichtete Wohngebäude mindestens den Verbrauchsstandard "KfW 55" erfüllt. Dazu kommt ein Tilgungszuschuss von maximal 2.500 Euro, der sich auf 5.000 Euro erhöht, wenn es sich um ein Passivhaus handelt oder der Verbrauchsstandard "KfW 40" erfüllt wird. Im Vergleich zur klassischen Finanzierung können daraus noch Vorteile aus eingesparten Zinsen in Höhe von mehreren tausend Euro resultieren.


Redaktion: Franziska Buß