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Sanierungsstau durch hohe Umbaukosten

Preissteigerungen bei Gebäudesanierungen führen zu einem Sanierungsstau und gefährden die Klimaziele der Bundesregierung, die bis 2050 einen klimaneutralen Gebäudebestand erreichen will. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Wuppertal im Auftrag der Schwäbisch-Hall-Stiftung und des Verbands der Privaten Bausparkassen. Um gegenzusteuern, empfehlen die Experten unter anderem bessere steuerliche Förderanreize.

Für Sanierungen sind Fördermittel gefragt

(München, 04.11.2015) Niedrige Zinsen für Baufinanzierungen, die Eurokrise und milde Winter haben die Bautätigkeit in den letzten Jahren zwar beschleunigt. Dennoch gibt es im Bereich der Gebäudesanierung einen Stau. Ursache sind laut Studie der Universität Wuppertal die gestiegenen Baupreise und die hohen technischen Anforderungen durch die Energieeinspar-Verordnung (EnEV). So seien die Baupreise mit durchschnittlich 2,2 Punkten pro Jahr im Zeitraum 2004 bis 2014 schneller angestiegen als die Verbraucherpreise. Überproportional gestiegen sind vor allem die Preise für die technische Gebäudeausrüstung, dazu gehören Gas-, Wasser- und Entwässerungsanlagen sowie Lüftungsanlagen. Seit 2004 haben sich zudem die Preise für Mineralwolle, Wärmepumpen und Heizkessel deutlich dynamischer entwickelt als die allgemeinen Verbraucherpreise, so die Studie. Außerdem führen die erhöhten Anforderungen an Brandschutz und Barrierefreiheit zu höheren Kosten. Insgesamt sei der Anteil der Kosten für den technischen Ausbau der Gebäudehülle an den Gesamtbaukosten zwischen 2000 und 2014 von knapp 47 Prozent auf 54 Prozent gestiegen.

Um den Sanierungsstau abzubauen, geben die Autoren der Wuppertaler Studie der Politik drei Handlungsempfehlungen auf den Weg. Zum einen sollten einfachere Regelwerke den Eigentümern die Angst vor der Renovierung nehmen. Zum anderen sollte die Bundesregierung die Idee einer steuerlichen Abschreibungsmöglichkeit für Investitionen in die Gebäudesanierung forcieren, um die Höhe der Investitionen für Immobilienbesitzer überschaubar zu halten. Und schließlich sollten potenzielle Renovierer unabhängig und kostenlos beraten werden, denn dann könnten sie die individuellen Vorteile und möglichen Einsparungen besser nachvollziehen.

Derzeit stehen für Renovierungen, vor allem im Bereich Barrierefreiheit und Energieeffizienz, Fördermittel und Darlehen der staatlichen Förderbank KfW zur Verfügung.


Redaktion: Patrizia Difonzo