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Schere auf dem Wohnungsmarkt wird immer weiter aufgehen

In den Ballungsregionen wird sich die Wohnungsnot weiter verschärfen, während strukturschwache Regionen Einwohner verlieren. Das prognostiziert eine aktuelle Studie auf Sicht der nächsten 30 Jahre.

Immobilien auf dem Land: Nicht so stark nachgefragt wie in der Stadt

Auf dem Land wohnen: Das werden zukünftig weniger Menschen wollen. Foto: KfW-Bildarchiv/Rüdiger Nehmzow

(München, 16.03.2016) Wo die Deutschen im Jahr 2045 wohnen werden, ist für die Zukunftsforscher des Marktforschungsinstituts Prognos recht eindeutig: Ballungsregionen mit großer Wirtschaftskraft werden immer mehr Zuzügler anziehen, während strukturschwache Regionen weiter ausbluten werden. In ihrer aktuellen Studie, die im Auftrag des Versicherungskonzerns Allianz erstellt wurde, sehen die Analysten die Schere auf dem deutschen Wohnungsmarkt immer weiter aufgehen.

Im Schnitt, so die Schätzung, wird in den wirtschaftsstarken Städten und Regionen in den kommenden 30 Jahren die Anzahl der Haushalte um 18 Prozent zunehmen. Für einzelne Gebiete wie die Regionen München, Ingolstadt, Freiburg und Oldenburg wird sogar ein Zuwachs um rund ein Drittel vorausgesagt. Insgesamt soll vor allem aufgrund der anhaltenden Zuwanderung die Bevölkerungszahl in der Bundesrepublik bis 2045 auf etwa 85 Millionen Menschen steigen.

Auf der anderen Seite verlieren schon heute strukturschwache Regionen immer mehr Einwohner - ein Trend, der sich laut Prognos-Studie langfristig fortsetzen wird. Für die Region Anhalt-Bitterfeld wird auf Sicht der nächsten 30 Jahre ein Rückgang der Zahl der Haushalte um fast ein Viertel prognostiziert. Auch Ostthüringen, Südsachsen, die Oberlausitz und die Region Mecklenburger Seenplatte dürften knapp ein Fünftel ihrer Einwohner verlieren. In Ostdeutschland sehen die Analysten wenig Wachstumspotenzial: Lediglich für Berlin und das Umland sowie die Regionen Dresden und Leipzig wird eine langfristige Zunahme der Anzahl der Haushalte gesehen.

Für den Wohnungsmarkt bedeutet das, dass sich die Spaltung in Deutschland zwischen den boomenden Märkten in Ballungsgebieten und hohem Leerstand in strukturschwachen Regionen vertieft. Während bis 2030 allein in den Regionen München, Berlin und Rhein-Main fast eine halbe Million Wohnungen fehlen werden, droht andernorts massiver Leerstand - nicht nur im Osten Deutschlands: "Auch für das Saarland und die Westpfalz sieht es nicht gut aus", schreiben die Autoren.

Damit decken sich die Ergebnisse der Studie in weiten Teilen mit einer Prognose, die unlängst von der Postbank veröffentlicht wurde. Auch darin wurde eine weitere Intensivierung der Wanderungsbewegungen aus strukturschwachen in wirtschaftsstarke Regionen vorhergesagt.

Solche zukünftige Entwicklungen sollten zum Beispiel Kapitalanleger bedenken, die eine Hypothek oder ein Darlehen für den Immobilienkauf aufnehmen. Die Attraktivität eines Standorts kann die zu erwartenden Renditen beeinflussen.


Redaktion: Franziska Buß