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Singles eher Mieter, Familien eher Eigentümer

Mieter oder Eigentümer? Das hängt oft vom Alter, Familienstand und Einkommen ab, zeigen aktuelle Studien. Vor allem Wohlhabende und Familien mit Kindern weisen eine überdurchschnittliche Eigentumsquote auf.

Mieter sind in der Mehrzahl

(München, 28.06.2016) Wie LBS Research in Zusammenarbeit mit dem Berliner Immobilienforschungsinstitut empirica ermittelt hat, gibt es in der Altersgruppe zwischen 40 und 49 Jahren eine relativ hohe Wohneigentumsquote von insgesamt gut 50 Prozent. Diese werde in erster Linie von Familien getragen: Im Westen leben 74 Prozent aller Paare mit Kindern im Wohneigentum, im Osten sind es 64 Prozent. "Bei den Singles hingegen dominieren die Mieterhaushalte: Nur 28 Prozent der Alleinstehenden im Westen und 20 Prozent im Osten wohnen in einer eigenen Immobilie." Die eigenen vier Wände werden hierzulande typischerweise eher spät, nämlich im Alter zwischen 30 und 50 Jahren erworben.

Grundlage der Analyse ist die aktuelle Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) des Statistischen Bundesamtes. Die Forscher haben neben Familien mit Kindern und Singles auch die Gruppe der Alleinerziehenden und der kinderlosen Paare betrachtet. Bei den Singles ergaben sich wesentlich niedrigere Eigentumsquoten: In Westdeutschland lag sie bei 28 Prozent, im Osten bei 20 Prozent. Eine hohe Quote weisen laut LBS Research kinderlose Paare im Alter zwischen 40 und 49 Jahren auf: In den neuen Ländern liegt sie bei 57 Prozent, im Westen bei 53 Prozent. Bei den Alleinerziehenden hingegen liegt die Wohneigentumsquote in Ost und West bei rund einem Viertel.

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) beziffert die Wohneigentumsquote in Deutschland auf "etwas mehr als 45 Prozent". Von 2011 bis 2014 sei die Wohneigentumsquote in Deutschland nicht weiter gestiegen. "Und das, obwohl sich die Zinssätze für Hypothekendarlehen seit 2010 mehr als halbiert haben und die eigene Immobilie dadurch mittlerweile deutlich günstiger ist als das Wohnen zur Miete", konstatiert das IW. Das sei bedauerlich, denn Wohneigentum schütze besser denn je vor Altersarmut, "schließlich werfen kapitalgedeckte Rentenversicherungen immer weniger ab".

Laut IW gibt es deutliche Unterschiede bei der Entwicklung der Wohneigentumsquote je nach Alter und Einkommen. So habe die Wohneigentumsquote der 65- bis 74-Jährigen zwischen 2010 und 2014 von 55,9 auf 58,3 Prozent zugelegt. "Die Wohneigentumsquote der einkommensreichsten 20 Prozent der Bevölkerung stieg zeitgleich von 65,9 auf 69,1 Prozent", stellen die Forscher fest. Das einkommensärmste Fünftel der Deutschen wohnte 2014 laut IW-Berechnungen dagegen nur zu 17,4 Prozent im Eigentum - noch weniger als 2011. "Viele Banken verlangen 20 Prozent Eigenkapital, wenn sie ein Haus oder eine Wohnung finanzieren sollen. Hinzu kommen Notarkosten und die Grunderwerbsteuer von bis zu 6,5 Prozent, die Käufer zahlen müssen. Das macht es Menschen mit niedrigem Einkommen nahezu unmöglich, zum Eigentümer zu werden", erklärt IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer.


Redaktion: Joachim Hoffmann