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Smart-Home: Marktpotenzial noch nicht ausgenutzt

Auch wenn der Begriff Smart Home in aller Munde ist, so richtig Fuß gefasst hat die automatische Gebäudesteuerung noch nicht.

Smart Home

(München, 19.04.2016) Smart-Home-Technologie verkauft sich lange nicht so, wie sie es könnte. Das ist das Fazit von Marktforschungsexperten auf der Messe IFH/Intherm in Nürnberg Anfang April. "Es gibt großes Potenzial, aber irgendwo hakt es", so Wolfgang Neubarth von der Technologiemarktforschung bei GfK. Der Experte beruft sich dabei auf aktuelle GfK-Studien und Markterhebungen von über 370.000 Handelspartnern. Zwar sei eine gewisse Dynamik im Smart-Home-Markt zu erkennen, doch die absoluten Zahlen bewegten sich noch auf geringem Niveau. "Die Verkaufszahlen echter Smart-Home-Devices zum Beispiel im Bereich Heimautomatisierung und Sicherheit weisen mit 35 Prozent ein dynamisches Wachstum im Vergleich zum Vorjahr auf, sind aber mit gerade einmal 32.600 Produkten im Juni 2015 auf niedrigem Niveau", erklärte Neubarth auf der Messe. Er sieht die Verantwortung für diese schleppende Entwicklung bei den Systemherstellern. "Der Konsument möchte Sicherheit, Kontrolle, Komfort, Spaß an der Technik, aber auch ein bisschen Luxusempfinden. Im Moment wird Konsumenten oft eine XY-Technik angeboten, deren Funktionsweise nicht verstanden und Nutzen nicht erkannt wird."

Es gehe darum, sinnvolle Funktionen komfortabel über ein Smart-Home-System steuern zu können. "Es gibt bereits Heizungsanlagen, die mit den Smartphones der Hausbewohner vernetzt sind. Sobald alle Bewohner das Haus verlassen haben, drosselt die Heizung ihre Leistung", nennt der Experte ein Beispiel. "Nähert sich einer der Bewohner dem Haus, fährt die Heizung ab einer bestimmten Entfernung wieder hoch. Bei konstanter Wohlfühltemperatur wird zudem Energie gespart."

Auch in der Kommunikation am Markt sieht Neubarth große Defizite. "Smart Home ist aktuell ein Buzz-Word der Medien. Die Mehrheit hat schon einmal etwas davon gehört oder gelesen", stellt er fest. "Wenn wir in unseren Befragungen jedoch nachhakten, konnten 72 Prozent der Haushaltsentscheider nicht erklären, was genau sich dahinter verbirgt."

Ein erstaunliches Ergebnis, denn die aktuelle Energieeinsparverordnung (EnEV) berücksichtigt intelligente Gebäudetechnik ausdrücklich bei der Erstellung der Energiebilanz. "Kein Energieausweis ohne Berücksichtigung der Gebäudeautomation", bringt es Prof. Michael Krödel, Geschäftsführer des Instituts für Gebäudetechnik IGT in Rosenheim, auf den Punkt. Statt noch mehr zu dämmen, können Bauherren in eine bessere, sprich smartere Haustechnik investieren, um die energetischen Anforderungen des Gesetzgebers zu erfüllen.


Redaktion: Franziska Buß