News

Sparer sichern Vermögen mit Immobilien ab

Trotz Rekordersparnissen: Deutsche Sparer sind verunsichert. Ihr Kapital setzen sie immer häufiger für Immobilien ein.

Häuser in weiß

(München, 26.07.2016) Trotz anhaltend niedriger Zinsen sind die Deutschen - statistisch gesehen - reicher denn je: Zum Ende des vergangenen Jahres stieg das Geldvermögen auf insgesamt 5,3 Billionen Euro, wie der Bundesverband deutscher Banken (BdB) ermittelt hat. Damit lagen die Ersparnisse um knapp fünf Prozent höher als im Jahr zuvor. Nicht geändert hat sich das Verhalten der Sparer beim Anlegen, stellt der BdB fest. "Deutsche Sparer zeichnen sich dabei nach wie vor durch eine hohe Risikoaversion aus. Über 1,9 Billionen Euro horten sie auf Spar-, Sicht- und Terminkonten, die kaum noch Zinsen bringen. Auf etwas mehr als zwei Billionen Euro belaufen sich die Ansprüche an Lebensversicherungen, Pensionskassen und andere Altersvorsorgeeinrichtungen. Sie bilden den größten Anteil des Geldvermögens."

Unverändert spielen Aktien eine untergeordnete Rolle bei deutschen Anlegern. Zwar sind die Werte von Unternehmensanteilen 2015 um zehn Prozent auf 342 Milliarden Euro gestiegen. Doch dies sei in erster Linie auf Kursgewinne zurückzuführen. "Der Aktienanteil am gesamten Geldvermögen der privaten Haushalte hat sich mit gerade einmal gut sechs Prozent des Geldvermögens nicht verändert", erklärt der Bankenverband. Die Zinsen nahe Null wirkten sich eher dahingehend aus, dass die Deutschen mehr Bargeld horteten. Allerdings betrug der Anteil des Bargelds am gesamten Geldvermögen nach wie vor nur knapp drei Prozent.

Parallel dazu registriert der Verband der Privaten Bausparkassen eine wachsende Unsicherheit bei deutschen Sparern. Sie setzten neue Schwerpunkte bei den Zielen. Während die Kategorien "Konsum/Langfristige Anschaffungen", "Altersvorsorge" und "Kapitalanlage" an Bedeutung verlören, seien beim Wunsch nach Wohneigentum und beim sogenannten "Notgroschen/Reserve" Zuwächse zu verzeichnen. Das ergab die Sommerumfrage 2016 zum Sparverhalten der Deutschen von TNS Infratest im Auftrag des Verbandes der Privaten Bausparkassen. Zwar bleiben die Sparziele "Konsum/Langfristige Anschaffungen" und "Altersvorsorge" laut Umfrage mit jeweils 56 Prozent an der Spitze. Doch hat das Ziel "Wohneigentum" gegenüber der letzten Umfrage im Frühjahr 2016 um einen Prozentpunkt auf 44 Prozent zugelegt. Das Kriterium "Notgroschen/Reserve" erzielte mit sieben Prozent laut Verband der Privaten Bausparkassen "den höchsten jemals gemessenen Wert".

Die aktuellen Ergebnisse sind für Andreas J. Zehnder, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Privaten Bausparkassen, ein Zeichen dafür, dass die Unsicherheit der Sparer deutlich wachse. Zehnder rief erneut dazu auf, die zunehmend schädlichen Nebenwirkungen der EZB-Nullzinspolitik, die sich an vielen Ecken zeigten, nicht als "alternativlos" in den Raum zu stellen. "Verunsicherte Sparer sind das Letzte, was sich die Politik leisten sollte", erklärte er. "Null Prozent Sparzinsen, geringere private Renten aus einer Lebensversicherung, geringere Betriebsrenten, höhere Krankenversicherungsbeiträge und Stiftungen, denen das Geld für wohltätige Zwecke ausgeht - darauf werden die Menschen reagieren."


Redaktion: Joachim Hoffmann