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Sparer verlieren Geld

Sparer in Deutschland, die ihr Geld längerfristig anlegen wollen, sind die Verlierer der EZB-Nullzinspolitik. Das zeigt eine Auswertung des Münchener Ifo-Instituts.

Zinstief

(München, 19.05.2016) Normal- und Geringverdiener sind meist sicherheitsorientiert und wollen ihr Geld längerfristig anlegen. Diese Sparer müssen sich heute aber real mit deutlich weniger Zinsen zufrieden geben als früher. Zu diesem Ergebnis kommt das Münchener Ifo-Institut nach Auswertung von Zahlen der Deutschen Bundesbank im Auftrag des Verbandes der Privaten Bausparkassen. "Sicherheitsorientierte Sparer sind die Leidtragenden der Nullzinspolitik und erleben einen schleichenden Vermögensverlust", sagt der Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Privaten Bausparkassen, Andreas J. Zehnder. Damit nehmen die Experten Stellung zu einer Aussage des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi, wonach von einer Enteignung der deutschen Sparer nicht die Rede sein könne.

Zwar liegt die durchschnittliche reale Verzinsung vom kurzfristig kündbaren Sparbuch laut Ifo-Institut tatsächlich bereits seit langem im negativen Bereich. Doch bei längerfristigen Anlagen liege der Fall anders. So habe ein Sparbrief mit vierjähriger Laufzeit im Zeitraum 1970 bis 1979 eine reale Rendite von durchschnittlich 2,2 Prozent eingebracht. Zwischen 1980 und 1989 sei diese auf 3,8 Prozent gestiegen. In den 90er Jahren habe ein solcher Sparbrief mit real 3,4 Prozent rentiert, zwischen 2000 und 2010 immerhin noch mit 1,7 Prozent. Im Zeitraum 2010 bis 2015 sei die Rendite jedoch auf durchschnittlich nicht einmal 0,5 Prozent gesunken.

Mit gravierenden Konsequenzen, wie Zehnder vorrechnet: "Ein Zinsunterschied von real zwei Prozentpunkten macht sich durch Zinseszinseffekte auf dem Konto deutlich bemerkbar. Bei einem Sparbetrag von 20.000 Euro und einer Verzinsung von 0,5 Prozent im ersten Fall und von 2,5 Prozent im zweiten Fall beträgt der Vermögensunterschied nach zehn Jahren knapp 4.600 Euro."

Auch Klaus Wiener, Chefvolkswirt des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), kritisiert die Niedrigzinspolitik: "Der Sparer wird selbstverständlich enteignet und hat deshalb allen Grund, misstrauisch gegenüber der EZB-Niedrigzinspolitik zu sein." Vor allem Sparer, die in Lebensversicherungen investieren, seien die Leidtragenden. Diese erwirtschafteten zwar im Moment noch passable Erträge. "Zweifellos wird die noch attraktive laufende Verzinsung von Lebensversicherungen mit zunehmender Dauer der Niedrigzinspolitik aber fallen und die Enteignung der Sparer voranschreiten."

Die Deutschen stehen immer noch im Ruf solide und konservative Sparer zu sein, doch wie eine repräsentative Umfrage des Bundesverbandes deutscher Banken deutlich macht, zeigen die jahrelangen Minizinsen jetzt doch Wirkung. Mit 22 Prozent gab ein gutes Fünftel der Befragten an, dass sie weniger sparen, weil sich dies ihrer Meinung nach nicht mehr lohne. Der Anteil derer, die von ihrem frei verfügbaren Geld regelmäßig etwas zurücklegen, sei gegenüber 2014 von 59 auf jetzt 53 Prozent gesunken.


Redaktion: Britta Barlage