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Studie: Abriss für Neubau

Der Abriss betagter Mehrfamilienhäuser mit anschließendem Neubau an gleicher Stelle ist oft lohnender als die Sanierung. Das ergab zumindest eine aktuelle Studie des Pestel-Instituts in Hannover.

Baustelle

(München, 12.04.2016) Viele Mehrfamilienhäuser, vor allem in Großstädten und Ballungsgebieten, genügen den heutigen Anforderungen nicht mehr. Das gilt besonders mit Blick auf Energieeffizienz, Barrierefreiheit und einen zeitgemäßen Zuschnitt der Wohnungen. Zusammen mit der Kieler Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (ARGE) hat das Pestel-Institut analysiert, unter welchen Voraussetzungen ein Abriss mit anschließendem Neubau sinnvoller ist als die Sanierung.

Betrachtet wurden nicht nur Häuser aus der Vorkriegszeit, sondern auch Gebäude, die bis Ende der siebziger Jahre errichtet worden sind. Insgesamt seien in der Nachkriegszeit deutschlandweit rund 285.000 Mehrfamilienhäuser und 1,7 Millionen Ein- und Zweifamilienhäuser gebaut worden, bei denen sich eine umfangreiche Modernisierung wirtschaftlich nicht mehr lohne, so die Autoren der Studie.

Durch konsequenten Abriss von nicht mehr sanierungswürdigen Gebäuden und den Bau von neuen Wohngebäuden auf demselben Grundstück könnten bundesweit bis zu 3,5 Millionen neue Wohnungen entstehen, rechnen die Immobilienanalysten vor. Damit, so das Kalkül, könne der Mangel an altersgerechten und barrierearmen Wohnungen behoben und gleichzeitig die Energieeffizienz im Wohnungsbestand verbessert werden.

Mit dieser Maßnahme könne insbesondere der fehlende Bestand an altersgerechten Wohnungen bis zum Jahr 2030 an den Bedarf angepasst werden, heißt es in der Studie. Vor diesem Hintergrund fordern die Autoren von der Bundesregierung, den Abriss von veraltetem Wohnraum bei anschließendem Neubau in die Förderprogramme der KfW aufzunehmen. Es sei höchste Zeit, so Studienleiter Matthias Günther vom Pestel-Institut, den Bestandsersatz genauso zu behandeln wie die klassische Modernisierung.

Auf wenig Gegenliebe stößt dieses Ansinnen bei den Mieterverbänden, die eine drastische Verteuerung der Mietkosten befürchten, wenn vergleichsweise günstiger alter Wohnraum durch Neubauten ersetzt wird. Dies sei ein verheerendes Signal an Mieter und Wohnungssuchende mit kleinem Geldbeutel, kritisiert der Mieterbund Schleswig-Holstein und fordert seinerseits: "Angesichts einer Vielzahl fehlender Wohnungen darf Abriss erst dann in Betracht kommen, wenn bezahlbarer Wohnraum für die betreffenden bisherigen Mieterhaushalte sichergestellt ist."


Redaktion: Franziska Buß